BMW-Chef Reithofer
„Wir überleben allein“

Mitte März legt BMW seine Bilanz in der Krise vor. Im Handelsblatt-Interview erklärt BMW-Chef Norbert Reithofer, warum es seiner Meinung nach keine systemrelevanten Autohersteller gibt, warum er sich keine Opelwerke ansieht und warum BMW auch allein durch die Krise kommen wird.

Handelsblatt: Herr Reithofer, die General-Motors-Tochter Opel dringt derzeit auf milliardenschwere Staatshilfen aus Berlin. Befüworten Sie das oder befürchten Sie eine Wettbewerbsverzerrung?

Norbert Reithofer: Mit dem Thema beschäftigen sich derzeit kompetente Politiker und GM-Manager. Ich gehe davon aus, dass man hier eine Lösung finden wird.

Gibt es Ihrer Ansicht nach – wie bei den Banken – systemrelevante Autohersteller, die man nicht pleitegehen lassen kann?

Im Endeffekt müssen sich alle Industrieunternehmen weltweit im Wettbewerb behaupten können. Dafür sind gute Produkte sowie ausreichend Liquidität notwendig. Es ergibt grundsätzlich keinen Sinn, wenn wir in Europa einige wenige privatwirtschaftliche Automobilhersteller haben – und der Rest Staatskonzerne sind.

Die CSU verlangte von den deutschen Herstellern, ein Konzept für die Rettung von Opel vorzulegen. Eine Beteiligung haben Sie bereits ausgeschlossen – werden Sie sich aber zumindest Werke ansehen?

Nein, wir werden uns keine Opel-Werke ansehen. Denn zusätzliche Kapazitäten in Europa werden von uns derzeit nicht benötigt. Wir bauen aus strategischen Gründen unsere Kapazitäten in China und den USA aus.

Hätte eine Insolvenz des Massenherstellers Opel weitreichende auch Folgen für die Lieferkette der Automobilzulieferer?

Kurzfristig ja, vielleicht auch innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten. Danach würden aber andere Hersteller über gesteigerte Volumina diese Lücke schließen.

Wann, glauben Sie, ist der Scheitelpunkt der aktuellen Autokrise durchschritten?

Bisher gibt es noch keine Entwarnung. Wie es aussieht, sind die weltweiten Absatzzahlen der Branche auch im Februar 2009 noch deutlich im Minus. Das zeigt: Wir sind noch nicht aus der Talsohle heraus. Das erste Halbjahr dieses Jahres wird sicher noch stark von Absatzrückgängen belastet sein, die zweite Jahreshälfte möglicherweise schon weniger. Ich gehe davon aus, dass wir aber erst im Laufe des Jahres 2010 eine Erholung sehen werden.

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