BMW contra Mercedes contra Audi
Premium-Autobauer kämpfen um Platz eins

Daimler ist Chrysler endlich losgeworden. Auf der Hauptversammlung von BMW in München erinnerte die Geschichte so manchen an das eigene Abenteuer namens Rover. Auch dieses endete jäh. Um den Ballast befreit, geht es nun um die alte Frage: Wer ist die Nummer eins der Premium-Autobauer? Im Rennen sind auch noch andere Hersteller.

HB MÜNCHEN. „Das haben wir alles auch durchgemacht“, hieß es am Dienstag auf der BMW-Hauptversammlung. Auch BMW hatte sich einst in der Hoffnung auf Größenvorteile mit dem Kauf des britischen Autobauers Rover einen Massenhersteller einverleibt – und dies ebenso wie der Stuttgarter Erzrivale bitter bereut. Nach Milliardenverlusten wurde die britische Tochter 2000 für einen symbolischen Kaufpreis abgestoßen. Auch Daimler-Chrysler zog jetzt die Reißleine und verschenkte seine US-Tochter an den US-Finanzinvestor Cerberus.

Für BMW hatte sich die Notaktion gelohnt: Seit der Rover-Trennung blühte der weiß-blaue Autobauer auf. Ein Rekordergebnis jagd das nächste. Branchenexperten rechnen damit, dass auch Mercedes von der Chrysler-Trennung profitieren wird, und sich die Konkurrenten warm anziehen müssen – allen voran BMW.

Gefahr aus Japan

„Ohne Chrysler startet Mercedes kraftvoll durch“, ist Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwirtschafts-Professor an der FH Gelsenkirchen, überzeugt. Chrysler habe nicht nur Management-Kapazität, sondern auch Finanzpotenzial gebunden. „Die Mercedes-Gewinne können jetzt wieder ausschließlich in die Mercedes-Produktentwicklung fließen.“ Die Entlastung komme zur rechten Zeit. Der Wettbewerb habe sich auch in der lange erfolgsverwöhnten Premiumklasse verschärft. Durch die Neuaufstellung von Mercedes, die neue Porsche-VW-Gruppe und die Ambitionen der japanischen Marke Lexus würden die Karten neu gemischt.

BMW-Chef Norbert Reithofer stimmte die Aktionäre am Dienstag bereits auf Gegenwind ein. „Der intensive Wettbewerb ist in vollem Gang.“ Auch er wies ausdrücklich auf die Herausforderung durch den Toyota- Ableger Lexus hin. Da zusätzlich auch die Premiumhersteller unter dem schwachen Doller und hohen Rohstoffpreisen leiden, sei eine effiziente Aufstellung besonders wichtig. „Wir tragen keinen unnötigen Ballast mit uns rum“, betonte Reithofer. Die Münchner wollten ihre Spitzenposition als führender Hersteller von Premiumautos behaupten.

Audi will aufholen

Unter den deutschen Herstellern, die den Markt weltweit noch immer dominieren, hat BMW auch im bisherigen Jahresverlauf die Nase vorn. In den ersten vier Monaten wurden 386 273 Autos der Marke BMW verkauft, Mercedes kam auf 365 000 Auslieferungen, Audi verkaufte 332 900 Fahrzeuge. Ehrgeizige Pläne haben alle drei Hersteller. So tönte der neue Audi-Chef Rupert Stadler erst vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung: „Bis zum Jahr 2015 wird Audi die Nummer eins sein.“ Zwar wird diese Ankündigung in Stuttgart und München ausgesprochen skeptisch beurteilt. Doch Fakt ist, dass die Ingolstädter VW-Tochter zuletzt die höchsten Wachstumsraten vorweisen konnte.

Auch Mercedes hatte zuletzt nach einem Durchhänger wieder Boden gut gemacht. Dies zeigte sich am Dienstag auch an den guten Quartalsergebnissen bei der Mercedes Car Group, die einen operativen Verlust von 735 Mill. Euro im Vorjahr in einen Gewinn von 792 Mill. Euro umwandelte. Nach dem Verkauf von Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus könnte es weiter aufwärts gehen. Gute Entwickler zum Beispiel gebe es nun mal nicht wie Sand am Meer, heißt es bei einem Wettbewerber. Bei Daimler-Chrysler seien in den vergangenen Jahren die besten Leute zwischen Stuttgart und der Chrysler-Zentrale in Auburn Hills hin- und hergependelt. Künftig könnten sie sich wieder ganz auf die Stammmarke Mercedes konzentrieren.

BMW-Chef Reithofer aber will die Marktführerschaft behaupten, wie er auf der Hauptversammlung verkündete: „Als Spitzenreiter bestimmen wir das Tempo und die Richtung.“

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