BMW-Hauptversammlung
Warum Reithofer sofort Aufsichtsratschef wird

BMW-Chef Norbert Reithofer lässt sich direkt zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates wählen. Eigentlich ein Unding. Doch den Ärger einiger Aktionäre nimmt die Eigentümerfamilie Quandt in Kauf. Dafür hat sie gute Gründe.
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Eigentlich haben die Aktionäre von BMW am Mittwoch in der Olympiahalle nicht viel zu klagen. Der Autobauer wird sein fünftes Rekordjahr in Folge einfahren und die höchste Dividende der Firmengeschichte ausschütten. Doch es gibt doch Grund zum Meckern. Tagesordnungspunkt 6.3 sieht die Wahl eines neuen Aufsichtsratschefs vor. Zur Wahl vorgesehen ist Norbert Reithofer, der bisherige Vorstandschef. Ein Unding, sagen die Aktionärsberater von ISS und Union Investment: Eine saubere Unternehmensführung sehe eigentlich vor, dass ein Vorstandschef ein, besser zwei Jahre wartet, bis er Aufsichtsratsvorsitzender wird.

Doch BMW und Reithofer lässt das kalt: Man verhalte sich getreu dem Aktiengesetz, heißt es im Konzern. Das sieht nämlich vor, dass ein dominierender Großaktionär mit mehr als einem Viertel der Stimmrechte nicht an das „cooling off“ gebunden ist. Die Familie Quandt hält gut 48 Prozent der Stimmrechte. BMW ist demnach eher ein Familienunternehmen, in dem die freien Aktionäre mitverdienen, aber nicht mitbestimmen dürfen. Die Widerstand der Fonds, die gegen die Ernennung Reithofers stimmen wollen, ist daher rein symbolisch.

Reithofer hat BMW seit seinem Amtsantritt 2006 in eine neue Dimension geführt. Mittlerweile macht der Konzern mehr Umsatz als Siemens. Bei dem Elektrokonzern sitzt Reithofer ebenfalls im Aufsichtsrat – und war bereits im vergangenen Sommer als Chef des Siemens-Kontrollgremiums im Gespräch. Die Familie Quandt hat das verhindert. Ihr Köder: Der sofortige Wechsel von Reithofer an die Spitze des Aufsichtsrates. Den Ärger nimmt man jetzt gerne in Kauf.

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