BMW-Sportdirektor im Gespräch
BMW spart in der Formel Eins

Das von BMW-Chef Norbert Reithofer eingeleitete Sparprogramm macht auch vor dem Engagement des Autokonzerns in der Formel-Eins nicht Halt. "Ja, wir sind da einbezogen“, sagte BMW-Sportdirektor Mario Theissen. Im Interview spircht er nicht nur über den Marketing-Nutzen der Formel Eins und Autotuning auf dem elterlichen Grundstück – der Manager verrät auch, wer sein Favorit für die laufende Saison ist.

Handelsblatt: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hat einen Einstieg für VW, Audi und Porsche in die Formel Eins jüngst als reine Geldverbrennung von 300 Millionen Euro pro Jahr abgelehnt. Warum leistet sich BMW das Engagement?

Mario Theissen: Erstens investiert BMW deutlich weniger als 300 Millionen Euro pro Jahr in die Formel Eins. Wir geben sogar deutlich weniger für das eigene Team aus als noch vor drei Jahren als Motorenlieferant von Williams. Zweitens sagen unsere Marketingexperten, dass dies gut angelegtes Geld ist, wenn das Projekt erfolgreich ist. Hinzu kommt, dass BMW das Formel-Eins-Projekt auch als Technologielabor für die Serienfertigung nutzt. Wenn man das alles zusammenzählt, sind wir der Ansicht, dass das Geld keineswegs aus dem Fenster geworfen wird.

Wie hoch ist denn Ihr Etat in diesem Jahr genau?

Die Zahl veröffentlichen wir nicht.

BMW-Boss Norbert Reithofer hat mit dem Plan Number One einen rigiden Sparkurs im Konzern eingeleitet. Müssen auch Sie Abstriche machen?

Ja, wir sind da einbezogen. Wir haben bereits in den vergangenen Jahren unseren Teil zu den Einsparungen beigetragen. Ich erwarte auch, dass wir in den nächsten Jahren mit dem Budget weiter herunter kommen werden.

Der Rennsport-Weltverband Fia läuft also mit seinem Vorschlag, die Rennstall-Etats künftig zu begrenzen, bei Ihnen offene Türen ein?

Wir unterstützen das Ziel der Kostensenkung und halten ein Budgetlimit mit fallender Tendenz auf der Chassis-Seite für den geeigneten Weg. Entsprechende Regularien und Kontrollmechanismen werden zurzeit von einer Expertengruppe erarbeitet. Es kommt darauf an, die nötige Transparenz zu schaffen, ohne wettbewerbsrelevante Informationen über Struktur und Arbeitsweise der Teams zu veröffentlichen. Natürlich haben die Teams unterschiedliche Vorstellungen von der Höhe des Limits, hier muss ein Kompromiss gefunden werden. Um zukunftsweisende Entwicklungen nicht einzubremsen, mit denen die Formel 1 eine Pionierrolle für künftige Serientechnologien übernimmt, empfehlen wir die Herausnahme von KERS aus dem Budgetlimit.

Herr Theissen, Sie sind in der Eifel groß geworden und haben bereits mit 13 Jahren Fiat 500 gefahren. Hätten Sie nicht eigentlich bei Ferrari landen müssen?

Damals habe ich noch keinen Gedanken an eine Karriere in der Automobilbranche verschwendet. Ich war damals mehr am Fahren und an der Technik interessiert. Ich habe den Wagen quasi gestrippt. Also, alles was nicht nötig war zum Fahren, habe ich abmontiert. Dach ab, die Türen raus, Motorhaube weg und den Auspuff aufgebohrt, damit der Sound entsprechend war – und dann bin ich so über das elterliche Grundstück in Monschau gefahren.

Seit 1999 sind Sie Sportdirektor von BMW, seit 2003 allein auf dieser Position. Was fasziniert Sie an der Formel Eins?

Für mich ist die Formel 1 eine einzigartige Kombination aus High-Tech, Sport, Business und Show. Darum ist die Formel Eins auch so erfolgreich bei einem breiten Publikum.

Sie gelten als kühler Planer und Motorexperte. Wie sehr mischen Sie sich in Details der Fahrzeugabstimmung ein?

In Details mische ich mich nicht ein, aber der technische Sachverstand sollte vorhanden sein. Es geht um Managemententscheidungen, die zu treffen sind: Zum einen im strategischen Bereich - welche Projekte fahren wir?, wie müssen die Ressourcen aufgebaut sein?, wie organisiert man die Prozesse und davon abgeleitet auch die Strukturen, damit das Ganze funktioniert? Und auf der operativen Seite geht es darum, zu gewährleisten, dass das dann auch so umgesetzt wird - Steine aus dem Weg räumen, die Mannschaft orientieren, dass alle die selbe Vorstellung haben, wo wir hin wollen, dass die Transparenz da ist, gerade wenn man über zwei Standorte operiert, die vernetzt sein müssen. Das sind die Kernaufgaben.

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