Bochumer Werk ist zu alt und zu teuer
Überkapazitäten machen GM zu schaffen

Die Zeichen stehen schlecht für das Bochumer Opel-Werk: Im europäischen Konzernverbund von General Motors (GM) kommt die Fabrik im Ruhrgebiet auf die schlechtesten Produktivitätskennziffern.

zel DÜSSELDORF. „Das Werk ist mehr als 40 Jahre alt und genügt nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Produktionsstätte“, stellt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen, fest. Würde GM tatsächlich in Europa ein Werk aufgeben, könnte es eigentlich nur die gut 6 000 Opel-Beschäftigten in Bochum treffen, die in der Astra- und Zafira-Produktion arbeiten.

Der General-Motors-Konzern leidet in Europa an seinen hohen Überkapazitäten. Auch innerhalb des Unternehmens wird zugegeben, dass GM eine ungenutzte Kapazität von 350 000 Autos vor sich herschiebt – eine komplette Fabrik. Kurzfristig lässt sich ein Werk jedoch nicht aus dem verflochtenen Produktionsverbund herausnehmen. Das geht erst, wenn ein Modellwechsel ansteht – die nächsten Fahrzeuggenerationen von Astra und Zafira werden voraussichtlich vom Jahr 2009 an produziert. Georg Stürzer, Autoanalyst bei der Hypo-Vereinsbank, hält es für unausweichlich, dass auch in Deutschland über Werksschließungen diskutiert wird: „Das Thema beschäftigt uns noch die nächsten zwei bis drei Jahre.“

Im Sommer hatte sich der GM- Konzern schon ein erstes Mal gegen den Standort Bochum entschieden. Das Werk im Ruhrgebiet muss von 2005 an etwa die Hälfte seiner Jahresproduktion des erfolgreichen Minivans Zafira an das erst Ende der 90er-Jahre eröffnete Werk im polnischen Gleiwitz abgeben. Gut 100 000 Stück dieses Modells sollen dann im schlesischen Opel-Werk produziert werden.

Bislang hatte Bochum im europäischen GM-Werksverbund das Monopol für den Zafira. Jetzt ist die Sorge da, dass mit dem Verlust der ersten Minivan-Tranche ein noch größerer Aderlass eingeleitet werden könnte. „Natürlich hätten die Mitarbeiter am liebsten die komplette Zafira-Produktion behalten“, sagt ein Bochumer Opel-Manager. Bisher gebe es keine klaren Aussagen aus der Züricher GM-Europazentrale, mit welchen Autos das Werk in Bochum in den kommenden Jahren aufgefüllt werden könnte.

Gegenüber Gleiwitz haben deutsche Standorte wie Bochum einen klaren Kostennachteil. In Polen muss GM seinen Arbeitern im Durchschnitt etwa sieben Euro für die Stunde bezahlen, in einer deutschen Opel-Fabrik schlägt die Stunde mit 33 Euro zu Buche. Branchenexperten sehen dahinter ein System: „Im GM-Verbund spielt man Werke gegeneinander aus“, glaubt Henrik Lier, Automobilexperte bei der WestLB in Düsseldorf.

Es gibt nur wenig Zweifel, dass General Motors am Ende doch Ernst machen wird. Der US-Konzern hat in Europa bereits Erfahrungen damit gemacht, wie ein Autowerk aufgegeben wird. Vor gut zwei Jahren musste eine PKW–Fabrik im britischen Luton endgültig ihre Pforten schließen. Auch der Widerstand von Politikern konnte damals nichts mehr daran ändern. 3 000 Arbeitsplätze gingen verloren.

Unabhängig von einer möglichen Werksschließung in Bochum steht der Rahmen für einen umfassenden Personalabbau bei GM Europa. Am Donnerstag wird der Konzern erste Details für ein einschneidendes Sanierungsprogramm bekannt geben. Gut 10 000 von 60 000 Beschäftigten sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, Opel muss dabei die Hauptlast tragen. GM Europa schreibt in diesem Jahr erneut einen Verlust von mehreren 100 Mill. Euro. Das Sanierungsprogramm soll das Unternehmen in die Gewinnzone bringen.

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