Boehringer Ingelheim
Diabetes-Mittel in Deutschland nicht zu haben

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat die Einführung seines neuen Diabetes-Mittels in Deutschland abgeblasen. Grund ist das neue Arzneimittelgesetz und der Aufwand, den Preis zu bestimmen.
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FrankfurtDas Familienunternehmen aus Ingelheim bei Mainz befürchtet, in Folge des seit 2011 geltenden neuen Arzneimittelgesetzes (AMNOG) einen zu niedrigen Erstattungspreis für sein neues Präparat Trajenta zu erhalten. Das Mittel mit dem Wirkstoff Linagliptin zur Behandlung von Altersdiabetes ist seit August in der EU zugelassen. Die Entscheidung von Boehringer dürfte in Deutschland weiter über die Pharmabranche hinaus für Diskussionen sorgen, zumal Linagliptin-Tabletten etwa in den USA bereits erhältlich sind.

Bis Ende 2010 genossen Pharmakonzerne in Deutschland das Privileg, die Preise für neue Medikamente weitgehend selbst vorgeben zu können. Nach dem AMNOG müssen sie nun aber zur Markteinführung in umfangreichen Dossiers den Zusatznutzen ihrer Substanzen beweisen. Erkennt der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss diesen nicht an, wird für das Mittel ein Festpreis bestimmt. Andernfalls verhandeln die Konzerne über den Preis mit den Krankenkassen. Da Deutschland der drittumsatzstärkste Pharmamarkt der Welt ist, dient der Preis hierzulande auch als ein Referenz für andere Länder.

„Wir können, wenn überhaupt, das neue Antidiabetikum in Deutschland erst zur Verfügung stellen, wenn mehr Transparenz bezüglich des Ausgangs des AMNOG-Prozesses besteht“, sagte der zuständige Boehringer-Manager Engelbert Günster.Laufende Gespräche auf Verbandsebene mit den Kostenträgern ließen allerdings keine Bereitschaft erkennen, für medizinische Neuerungen angemessene Preise zu vereinbaren, klagte der Manger.

In anderen europäischen Ländern will Boehringer das Mittel dagegen wie geplant einführen.

Linagliptin ist das erste Präparat aus der Anfang 2011 besiegelten Diabetes-Allianz mit dem US-Pharmariesen Eli Lilly, das in Europa genehmigt wurde. Zuvor hatten bereits die Behörden in den USA und kürzlich auch in Japan grünes Licht für eine Markteinführung gegeben. Boehringer und der Pharmariese aus Indianapolis wollen zusammen bis zu fünf neue Wirkstoffe zur Behandlung der Zuckerkrankheit entwickeln und auf den Markt bringen.

Boehringer Ingelheim traut den Arzneien nach 2020 einen Spitzenumsatz von zusammen rund zehn Milliarden Euro zu. Nach Unternehmensangaben gibt es in Deutschland etwa 6,8 Millionen Menschen, die an Alters- oder Typ-II-Diabetes leiden, der häufigsten Form der Zuckerkrankheit. Experten rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Krankenzahlen in den nächsten Jahren, weil viele Menschen zu wenig Sport treiben und zu viel essen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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