Boeing 747 Die Milliarden-Wette auf den Transport-Jumbo

Die Boeing 747 ist eine Legende – aber bei Airlines nicht mehr beliebt. Um den Jumbo als Frachtflugzeug zu retten, kauft Boeing vermehrt eigene Jets und verleast sie anschließend weiter. Ein riskantes Geschäft.
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Während die vierstrahlige 747 eines der am meisten verkauften Düsenflugzeuge in der Geschichte des Konzerns bleibt, hatte die neueste Version des Flugzeugs Absatzprobleme. Quelle: dpa
Fracht-Jumbo im Landeanflug

Während die vierstrahlige 747 eines der am meisten verkauften Düsenflugzeuge in der Geschichte des Konzerns bleibt, hatte die neueste Version des Flugzeugs Absatzprobleme.

(Foto: dpa)

New YorkDie Boeing 747 war bei ihrem Debüt bei Pan-Am im Jahr 1970 das Symbol für luxuriöses Reisen schlechthin. Doch der Jumbo-Jet der Zukunft wird vermutlich keine Fluggäste mehr befördern. Aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach großen vierstrahligen Passagierflugzeugen soll er stattdessen übergroßes Material, wie zum Beispiel Ausrüstung für Öl-Bohrungen, transportieren.

Hersteller Boeing hat dabei einen Plan, um seine berühmten, aber derzeit wenig beliebten Jumbo zu retten: Das Unternehmen kauft seine eigenen Flugzeuge und verleast sie anschließend an Transportunternehmen.

Mit der Schließung der Export-Import Bank durch den US-Kongress – die Bank hatte traditionell Fluglinien aus Übersee beim Kauf von Flugzeugen geholfen – verliert Boeing ein Schlüsselelement seines Vertriebs. Zudem sind Leasing-Firmen zurückhaltender geworden, wenn es um die Finanzierung von Flugzeugen mit schwindender Käuferschicht geht.

Also vermietet Boeing nun die riesigen 747-Jumbos an Fracht-Fluglinien in Ländern wie Russland oder Aserbaidschan. Aber damit wird das Unternehmen anfälliger bei einem Anstieg der Zahlungsausfälle.

Bis zum Ende des vergangenen Jahres hatte Boeing über die Tochtergesellschaft Boeing Capital ein Finanzierungsvolumen von 1,26 Milliarden US-Dollar mit 747-Kunden aufgebaut, zeigen Meldungen an die Finanzaufsicht. Das entspricht ungefähr dem fünffachen Wert gegenüber Ende 2012. Tatsächlich machen Kredite und operative Leasingverträge im Zusammenhang mit der 747 inzwischen mehr als ein Viertel des Kreditportfolios aus.

Vom Bootsschuppen zum Luftfahrt-Giganten
Erste Anfänge im Schuppen
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In Seattle im US-Bundesstaat Washington wollte William Boeing eine Jacht bauen. Doch dann entdeckte der Unternehmer seine Faszination für das Fliegen und funktionierte das Gebäude kurzerhand zur Flugzeugfabrik um. Das sollte sich als gute Idee erweisen: Heute ist Boeing Weltmarktführer. Der legendäre „Red Barn“ – der erste Werksschuppen – steht im Luftfahrtmuseum von Seattle.

100.000 Dollar Startkapital
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Vor hundert Jahren – am 15. Juli 1916 – gründete Boeing mit einem Startkapital von 100.000 Dollar die Pacific Aero Products Company. Damit war die Basis für Boeings Flug- und Raumfahrt-Imperium gelegt, das zuletzt einen Börsenwert von fast 82 Milliarden Dollar hatte. Was wenig bekannt ist: Auch deutscher Pioniergeist spielte eine wichtige Rolle bei dieser Geschichte. Boeings Wurzeln liegen in Westfalen.

William Boeing
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Im Jahr 1868 brach der deutsche Auswanderer Wilhelm Böing von Hohenlimburg bei Hagen im Sauerland nach Amerika auf, um dort sein Glück als Unternehmer zu versuchen. Er gründete einen Holzhandel und verdiente genug Geld, um seinen Sohn William auf Privatschulen und die Eliteuni Yale zu schicken.

„Königin der Lüfte“
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Aus dem deutschen Namen Böing entstand das amerikanische Boeing – das zum Synonym für das größte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt wurde. Mit dem Jumbo-Jet 747, „Königin der Lüfte“ genannt, schuf Boeing Ende der 1960er Jahre das jahrzehntelang größten Passagierflugzeug der Welt – und machte damit Fernreisen für Normalbürger überhaupt erschwinglich.

Konkurrenzdruck macht Boeing zu schaffen
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Doch im Jubiläumsjahr steht der Konzern, der stark von US-Rüstungsaufträgen profitiert und dessen Historie auch dunkle Kapitel wie den verheerenden Atombomben-Abwurf auf Hiroshima durch einen Boeing-B-29-Bomber umfasst, vor Herausforderungen. Der Konkurrenzdruck durch den Erzrivalen Airbus macht den Amerikanern zu schaffen. Anleger blickten zuletzt eher bange in die Zukunft, die Boeing-Aktie hat seit dem Jahresbeginn knapp zehn Prozent eingebüßt.

Gleichwertiger Konkurrent
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Wurde Airbus in den 1970er Jahren noch belächelt, haben sich die Europäer längst zum gleichwertigen Konkurrenten aufgeschwungen. Nach dem ersten Passagier- und Frachtjet A300 setzte Airbus Ende der 1980er Jahre mit der A320-Modellfamilie auf den wichtigen Markt der Mittelstreckenjets–- und machte der Boeing 737 Konkurrenz.

Zwei Riesen im Sinkflug
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Im neuen Jahrtausend musste der Jumbo-Jet seine Rolle als weltgrößtes Passagierflugzeug an die A380 von Airbus abgeben – doch heute befinden sich gleich beide Riesen im Sinkflug. Von der neuesten Jumbo-Generation 747-8 sollen wegen mangelnder Neuaufträge ab September nur noch sechs Maschinen pro Jahr ausgeliefert werden.

Wenn sich der Luftfrachtmarkt erholt, mag die Rechnung für Boeing aufgehen. Das Unternehmen hat erst kürzlich eine wichtige 747-Bestellung vom Logistikriesen UPS erhalten, die der Schlüssel zur weiteren Zukunft des Langstreckenfliegers sein könnte. „Wir glauben, dass es langfristig eine Nachfrage für dieses Flugzeug gibt", sagt George Dimitroff, Chef der Bewertungsabteilung von Flight Ascend Consultancy. „So lange sie keine Überproduktion erzeugen – was Boeing derzeit nicht tut – glauben wir, dass es eine langfristige Nachfrage geben wird".

Boeing häufte in den Jahren 2015 und 2016 mit der neusten Version der 747-8 über 2,1 Milliarden Dollar Verlust an. Das Unternehmen musste die Produktion drosseln, um auf die sinkende Nachfrage zu reagieren. Im vergangenen Jahr profitierte Boeing von der UPS-Bestellung über 14 Jumbo-Jets und der Option, den Auftrag auf das Doppelte zu erhöhen. Laut seiner Website landete Boeing damit den größten Auftrag seit dem Re-Design der 747 im November 2007.

Flut an Leasingverträgen
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