Boeing und EADS sollen bei milliardenschweren Regierungsaufträgen Zugeständnisse machen
Ende des Tanker-Monopols führt zu heftigem Preiskampf

Der Preisdruck im Wettbewerb um milliardenschwere Tankflugzeug-Aufträge verschärft sich. Nachdem der US-Konzern Boeing seine monopolartige Stellung in dieser lukrativen Militärsparte verloren hat, kämpfen Auftraggeber aus Großbritannien und den USA vehement um bessere Einkaufsbedingungen.

DÜSSELDORF. Offenbar sollen die beiden Luftfahrt- und Rüstungskonzerne Boeing und EADS gegeneinander ausgespielt und zu Preiszugeständnissen gezwungen werden.

Boeing hat bereits bessere Verkaufspreise in Aussicht gestellt. Es sei künftig möglich, die Jets vom Typ 767 schon während der Montage auf ihren Tanker-Einsatz vorzubereiten, anstatt sie nachträglich umzurüsten, sagte der Chef der Boeing-Rüstungssparte, Jim Albaugh. Das würde Zeit und Kosten sparen. Branchenbeobachter werten den Schritt des US-Konzerns als verzweifelten Versuch, einen Auftrag des US-Pentagon im Wert von 23,5 Mrd. Dollar zu retten. Der Deal über 100 Tankjets liegt wegen unsauberer Geschäftspraktiken derzeit auf Eis.

Für die schwer angeschlagene Flugzeugbau-Sparte bei Boeing ist der Tanker-Auftrag der Air Force immens wichtig: Konzernchef Harry Stonecipher hat eingeräumt, dass das Weiterführen der in der Zivilluftfahrt kaum mehr nachgefragten Baureihe 767 von diesem Deal abhänge. Stirbt nach Einstellung des 757-Programms auch die 767, droht weiterer Personalabbau. Während Airbus bereits den zivilen Flugzeugbau zusehends dominiert, droht nun auch eine der letzten Boeing-Bastionen zu fallen: Bisher werden weltweit 90 Prozent aller Militärflugzeuge mit Boeing-Jets betankt. Die Airbus-Mutter EADS hat den Erzrivalen zu Jahresbeginn allerdings bei einem 13-Mrd.-Pfund-Deal der britischen Air Force ausgestochen.

Dem großen Jubel auf Seiten der Europäer könnte jedoch die Ernüchterung folgen. Branchenkreisen zufolge fordert die Regierung in London eine Preisreduzierung der Airbus-Tanker um mehr als 30 Prozent. Statt 350 Mill. Pfund soll EADS nur 230 Mill. Pfund je Flugzeug erhalten. Der Leiter der britischen Militärbeschaffung, Peter Spencer, droht ansonsten mit der Einstellung der Gespräche über den größten militärischen Regierungsauftrag, der je auf der Insel vergeben wurde. Bis zum heutigen Donnerstag soll das EADS-Konsortium ein finanziell nachgebessertes Angebot vorlegen.

Branchenkreise hatten dies zwar als das „übliche Pokerspiel“ bei Vertragsverhandlungen verstanden. Beobachter sehen in der öffentlich gemachten Drohung jedoch „eine gewisse Schärfe“. EADS wollte die laufenden Verhandlungen nicht kommentieren. Das Konsortium muss in exklusiven Gesprächen mit der Regierung erst den finanziellen Rahmen des komplexen Projekts festlegen: Die Briten kaufen die Jets nicht, sondern beauftragen eine Betreibergesellschaft des Konsortiums, die Jets zur Verfügung zu stellen. Abgerechnet wird nach Flugstunden – für beide Partner ist dieses Modell Neuland.

Erst wenn über die finanziellen Eckdaten Einigkeit besteht, sollen konkrete Vertragsverhandlungen beginnen. „Der Auftrag ist strategisch für EADS sehr wichtig, doch am Ende muss er sich auch rechnen“, hieß es gestern in Industriekreisen. Das Konsortium werde sich nicht jedem Druck aus London beugen können.

Dort herrscht zur Zeit vor allem finanzielle Not: Schätzungen zufolge droht dem Budget in diesem Jahr ein Loch von rund 800 Mill. Pfund, die Kosten für den Irak-Einsatz schießen über ihr Ziel hinaus. Minister Geoffrey Hoon bleibt daher nur, an der Sparschraube zu drehen oder Rüstungsaufträge in die Zukunft zu verschieben. An großen Projekten mangelt es nicht: Eurofighter, die geplante Panzerfahrzeugfamilie FRES – oder eben die Tankjets. Vor allem beim Eurofighter hat Großbritannien schon mehrfach auf Zeit gespielt. Wann die Verträge für die zweite Lieferung unterschrieben werden, ist immer noch nicht sicher.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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