Boeing vs. EADS
Neue Runde im Streit um US-Militärtanker

Der Flugzeugbauer Boeing attackiert eine fehlerhafte Kostenberechnung bei der Vergabe eins Großauftrages an den Konkurrenten EADS. Der US-Rechnungshof will noch diesen Monat über den Protest entscheiden. Es geht um hohe Milliardenbeträge.

PORTLAND.Der Flugzeughersteller Boeing hat im Streit mit dem Konkurrenten EADS um einen Großauftrag der US-Luftwaffe Punkte gemacht. Nach Boeing-Angaben hat das US-Verteidigungsministerium den 35 Mrd. Dollar (rund 23 Mrd. Euro) schweren Auftrag an die Airbus-Mutter EADS und den US-Konzern Grumman über die Lieferung von Tankflugzeugen in Frage gestellt. Die Air Force habe in einem Brief an den US-Rechnungshof eingeräumt, sich bei den Betriebskosten der angebotenen Flugzeuge verrechnet zu haben, erklärte Boeing. Northrop räumte ein, dass die Kostenberechnung fehlerhaft sei. Die Air Force lehnte eine Stellungnahme ab.

Boeing könnte damit im Streit um die Vergabe des Großauftrags doch noch zum Sieger werden. Die US-Luftwaffe hatte Ende Februar den Zuschlag für den Bau von 179 Tankflugzeugen überraschend nicht Boeing erteilt, sondern EADS und ihrem US-Subunternehmer Boeing hatte daraufhin Einspruch gegen das Votum beim US-Rechnungshof eingelegt, über den bis Ende des Monats entschieden werden soll. Das Votum ist zwar nicht bindend. Sollten die Prüfer aber zu dem Urteil kommen, dass die Air Force schwer wiegende Fehler gemacht habe, könnten sie empfehlen, die Auftragsvergabe zu wiederholen. Die Entscheidung hatte in den USA bis in die Politik hinein hohe Wellen geschlagen.Boeing hatte zudem ganzseitige Zeitungsanzeigen geschaltet, in denen es die Entscheidung der Luftwaffe als "fehlerhaft aufgrund zahlloser Unregelmäßigkeiten" bezeichnete.

Vertreter von betonten, dass die Kosten bei der Vergabe lediglich ein Faktor von vielen gewesen seien. Die Entscheidung sei vor allem auf die Fähigkeiten des zurückgegangen.

Experten schätzen, dass der Auftrag, dessen erste Tranche im Februar an EADS und ging, einen Gesamtwert von mehr als 100 Mrd. Dollar entsprechen könnte. Boeing versucht deshalb seit Bekanntgabe der Entscheidung mit allen Mitteln, doch noch zum Zuge zu kommen. Laut Richard Aboulafia, dem Luftfahrtexperten der Teal Group in Washington, herrscht zwischen Boeing und das "Äquivalent eines totalen Krieges".

Ursprünglich hatte Boeing den Auftrag für die neuen Tankflugzeuge bereits 2003 erhalten. Doch der Zuschlag wurde dem Konzern nach einem Beschaffungsskandal wieder entzogen. EADS und wollen Ende Juni den Grundstein für ihr erstes Werk im US-Bundesstaat Alabama legen, wo künftig die Tanker gebaut werden sollen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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