Börse reagiert mit Kurssprung
Investor Kerkorian steigt bei Ford ein

Ein Jahr nach seinem gescheiterten Angebot für den US-Autobauer Chrysler sorgt Milliardär Kirk Kerkorian mit einem Überraschungscoup in der US-Autoindustrie erneut für Furore. Der Investor stieg über seine Investmentfirma Tracinda mit 4,7 Prozent beim US-Autokonzern Ford ein und hat angekündigt, seine Beteiligung auszubauen.

FRANKFURT. Nun will Kerkorian für rund ein weiteres Prozent oder 20 Millionen Aktien etwa 170 Mill. Dollar (109 Mill. Euro) ausgeben. Der Anteil soll dann bei 5,6 Prozent liegen. Tracinda bietet den Ford-Aktionären dabei einen Aufschlag von 13,3 Prozent auf den Schlusskurs von 7,50 Dollar Ende vergangener Woche. Die Börse reagiert euphorisch: Die Aktie legte zeitweise elf Prozent zu.

Der Einstieg des 90-Jährigen bei Ford ist der vierte Anlauf des Milliardärs, sich Einfluss auf die US-Autobranche zu sichern. Bereits 1995 hatte er vergeblich versucht, Chrysler zu übernehmen. Auch 2007 bemühte er sich abermals um den US-Autobauer, als Daimler diesen schließlich an den Finanzinvestor Cerberus verkaufte. Im Jahr 2005 hatte Kerkorian größere Anteile am US-Autobauer General Motors erworben, den er in eine Allianz mit dem Konkurrenten Renault-Nissan führen wollte. Als dieser Plan am Widerstand des Managements scheiterte, stieß Kerkorian Ende 2006 sein GM-Aktienpaket wieder komplett ab. Der Milliardär gilt als Investor, der wenig Geduld mit zaghaften Managern hat und schnell beginnt, Druck auf die Firma auszuüben.

Ford trifft der Vorstoß in einem Moment, in dem das Unternehmen erstmals deutliche Fortschritte bei der laufenden Sanierung vorweisen kann. Erst vergangene Woche hatte der neue Ford-Chef Alan Mulally die Investoren mit einem Quartalsgewinn überrascht. Vor allem gute Geschäfte in Europa und Südamerika hatten dem Konzern im ersten Vierteljahr einen Nettogewinn von 100 Mill. Dollar (63 Mill. Euro) beschert. Vor einem Jahr hatte Ford noch 282 Mill. Dollar verloren.

Über die Absichten des Milliardärs, dem ein Ruf als aggressiver Investor vorauseilt, wurde unter Experten zunächst nur spekuliert. "Da die Ford-Familie rund 40 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, gehe ich davon aus, dass es sich um eine passive Beteiligung handelt", sagte Dan Poole aus dem Equity Research von National City. "Ich glaube nicht, dass dies eine Situation wie bei GM ist", sagt auch Maryann Keller, unabhängige US-Auto-Analystin aus Greenwich. Ford wird noch immer von der Eigentümerfamilie kontrolliert, die mit Bill Ford bis zum Herbst 2006 zeitweise sogar den Konzernchef aus ihren Reihen stellte. Doch die einstmals stolze US-Ikone ist heute an der Börse kaum mehr 17 Milliarden Dollar wert - das ist im Vergleich zu Mitte 2004 weniger als die Hälfte. Tracinda betonte, die Investmentgesellschaft habe die Entwicklung von Ford seit längerem beobachtet und sei zuversichtlich, dass dem Management ein beachtlicher Turnaround gelingen werde.

"Wir begrüßen die Zuversicht in Ford und die Fortschritte bei der Sanierung", erklärten Mulally und Bill Ford in einer ersten Stellungnahme. Auto-Analyst Albrecht Denninghoff von der BHF-Bank wertet den Einstieg als Vertrauensbeweis für Ford. "Das ist ein gutes Zeichen", sagte er. Kerkorian habe offenbar den Eindruck, dass Ford auch längerfristig über Potenzial verfüge. "Es ist erfreulichen für die Branche, wenn Leute mit Geld und langem Atem Vertrauen fassen", sagte der Autoanalyst von der BHF Bank. Ford hatte 2006 noch einen Rekordverlust von knapp 13 Mrd. Dollar verbucht und das Minus 2007 auf 2,7 Mrd. Dollar verringert. Einen Jahresgewinn hat Mulally indes erst wieder für das Jahr 2009 in Aussicht gestellt.

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