Börse rechnet mit langer Übernahmeschlacht
Schering setzt auf „weißen Ritter“

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck stößt bei seiner geplanten Milliardenübernahme des Berliner Konkurrenten Schering auf Widerstand. Schering-Aufsichtsratschef Giuseppe Vita hofft auf einen „weißen Ritter“, ein Unternehmen, das die 14,6 Mrd. Euro schwere, als feindlich betrachtete Offerte von Merck überbieten könnte – auf einen Helfer also, von dem Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen glaubt, dass er aus einer anderen Welt stammt.

HB FRANKFURT. Auf die Frage, ob sich bereits andere Unternehmen bei Schering gemeldet hätten, sagte Vita am Montag: „Noch nicht, aber ich denke, sie werden bald an unsere Tür klopfen.“ Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Schering-Chef Erlen hatte dazu gerade erst in einem Zeitungsinterview gesagt, die Idee von einem „weißen Ritter“ stamme vermutlich aus einer anderen Welt und letztlich gehe es den Anlegern doch nur um den höchsten Preis.

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» „Weißer Ritter" im Wirtschaftswiki.

Nach Informationen aus Branchenkreisen wird das Kontrolleursgremium des Berliner Dax-Konzerns am Dienstag über die Übernahmeofferte von Merck beraten. Das Gremium sei ohne konkrete Tagesordnungspunkte zur Beratung und Information zu einer Sondersitzung über das Merck-Angebot einberufen worden, erklärte am Montag ein mit dem Treffen Vertrauter. Nach Informationen der „Welt“ wird der Aufsichtsrat das Merck-Angebot von 77 Euro pro Aktie dann formal ablehnen.

Merck will die Übernahme notfalls auch gegen den Willen von Schering weiterverfolgen. „Wir sind der Meinung, dass wir überzeugende Argumente auf dem Tisch haben“, sagte Merck-Chef Michael Römer in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Darmstadt. Schering-Großaktionär Allianz hielt sich bedeckt, Merck hofft aber auf seine Unterstützung. Der Schering-Vorstand hatte das Angebot schon am Sonntag als zu gering abgelehnt.

Römer hält ein Konkurrenzangebot zu seiner knapp 14,6 Milliarden Euro schweren Kaufofferte für Schering für wenig wahrscheinlich. „Das könnte nur ein Bieter sein, der das Unternehmen zerschlägt. Dies ist nicht im Sinne des Schering-Vorstands“, sagte Römer der „FTD“.

An der Börse wird mit einem langwierigen Übernahmepoker gerechnet: „Das ist nur der Anfang einer vermutlich langwierigen Übernahmeschlacht, denn Schering wird sich sicher wehren“, sagte ein Analyst. Die im Dax notierte Aktie stieg am Montag um mehr als ein Viertel auf 84,25 Euro und lag damit weit über dem Merck-Gebot. Die im Nebenwerteindex MDax notierten Merck- Papiere büßten 2,8 Prozent auf 81,35 Euro ein. Die Aktie könnte mit der Übernahme in den Dax einziehen.

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