Börsenaufsicht ermittelt
EADS droht totale Blockade

Intrigen, Schuldzuweisungen, Ermittlungen: Knapp eine Woche nachdem die Lieferprobleme beim Riesenairbus A380 bekannt geworden sind, droht sich das Management des Mutterkonzerns EADS in einem Machtkampf aufzureiben.

PARIS/MÜNCHEN. Auch ein mehrstündiges, kurzfristig angesetztes Krisentreffen der Konzernführung in München brachte den deutschen und französischen Teil des Top-Managements nicht zum Schulterschluss.

„Kein Kommentar“, hieß es aus der Münchener EADS-Zentrale über den Verlauf des Treffens. Hinter den Kulissen wurde aber deutlich, dass insbesondere das deutsche Management an der Ablösung des französischen Konzernchefs Noël Forgeard arbeitet. Auf Anfrage wollten sich weder die Großaktionäre Lagardère noch Daimler-Chrysler zu der Führungskrise äußern.

Die Krise wurde ausgelöst, nachdem die Flugzeugtochter Airbus am Dienstag vergangener Woche Verzögerungen bei der A380 eingeräumt hatte. Auf den anschließenden Kurssturz der EADS-Aktie um rund 30 Prozent folgte ein offener Machtkampf zwischen dem deutschen und dem französischem Top-Management: Einerseits machte der französische Konzernchef Noël Forgeard seinen Airbus-Nachfolger Gustav Humbert und das Airbus-Werk Hamburg für die Probleme verantwortlich, andererseits muss sich der Franzose selbst gegenüber den Anteilseignern für ein Aktiengeschäft Mitte März verantworten. Damals hatte der Spitzenmanager Optionen gewandelt und damit 2,5 Mill. Euro erlöst – zum Ärger seines deutschen Kollegen Tom Enders. Dieser betonte am Wochenende, dass er dieses Vorgehen zum damaligen Zeitpunkt „nicht für opportun“ gehalten habe. Am Montagabend bestätigte EADS, dass die französische Börsenaufsicht AMF am Airbus-Stammsitz in Toulouse bereits ermittelt. „In dieser Angelegenheit arbeiten EADS und Airbus im vollen Umfang mit der AMF zusammen“, teilte der Konzern mit.

Analysten fordern Konsequenzen aus der Führungskrise. „Eine Reform der Organisation der Gesellschaft, die möglicherweise Änderungen an der Spitze erfordert, scheint unverzichtbar“, schrieb der Broker Aurel Leven in einem Kommentar. „Ein Abgang Forgeards wäre eine gute Nachricht“, meint ein Pariser Broker, „er hat am meisten an Glaubwürdigkeit verloren.“ Beobachter gehen aber davon aus, dass im Falle einer Ablösung Forgeards auch der Stuhl von Airbus-Chef Gustav Humbert wackeln könnte. Der Deutsche war jahrelang die rechte Hand Forgeards.

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