26.09.2005

Porsche kauft sich bei Volkswagen ein: Börsenaufsicht wittert Insiderhandel

Dass Porsche sich bei VW einkauft, hat die Märkte überrascht - scheinbar. Denn vieles deutet darauf hin, dass ein Insider schon vorher die Nachricht im kleinen Kreis verbreitet hat.

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HB BONN/WOLFSBURG. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, hat bereits angekündigt, sich mit dem Geschäft zu befassen. Die Behörde werde den starken Kursanstieg der VW-Aktie in der Vorwoche zunächst routinemäßig untersuchen, sagte eine Sprecherin am Montag in Bonn. Zudem werde die Bafin prüfen, ob Porsche möglicherweise zu spät in einer Pflichtmitteilung über den Akquisitionsplan informiert habe. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte bereits am Samstagabend vorab von dem Porsche-Coup berichtet. Der Konzern selbst veröffentlichte erst am Sonntagmorgen eine Ad-hoc-Mitteilung.

Porsche hatte am Wochenende bestätigt, sich mit 20 Prozent an dem Wolfsburger Autobauer beteiligen zu wollen. Nach derzeitigem VW-Aktienkurs müsste Porsche dafür rund drei Milliarden Euro aufwenden. Finanziert werden soll der Einstieg aus Barmitteln.

Einer bei Porsche oder bei VW hat geredet, soviel steht spätestens nach dem "Spiegel"-Artikel fest. Für die Bafin ist nun die Frage, ob jemand diese Information für Aktiengeschäfte im Vorfeld genutzt hat. Insiderhandel ist für denjenigen, der handelt, strafbar. Auf das Unternehmen kann ein Geldbuße zukommen. Die Beweisführung ist aber schwierig. Ermittlungen ziehen sich deswegen meist über Monate hin.

Die Porsche-Aktionäre haben den Sportwagenbauer direkt abgestraft. Das Papier sackte gleich zu Handelsbeginn um gut 11 Prozent ab und bewegt sich zurzeit knapp 9 Prozent im Minus. Sie befolgten damit die Empfehlungen der Analysten. So rät die Deutsche Bank, den Titel zu verkaufen. Zugleich senkten die Analysten das Kursziel drastisch von 740 auf 550 Euro. Porsche-Aktionäre dürften nun keine Ausschüttung der Liquidität erwarten, hieß es in einer Studie. Andere Geldhäuser schätzen die Lage ähnlich ein.

Auch die Volkswagen-Aktionäre sehen den Porsche-Coup kritisch. Die Aktie bildete das Schlusslicht im Dax. "Die Hoffnung der Börsianer auf eine Übernahme aus dem Ausland hat sich zerschlagen", sagte ein Händler. Besonders das Gerücht, dass US-Milliardär Kirk Kerkorian einsteigen wolle, hatte den Kurs in der Vorwoche kräftig steigen lassen. "Nun ist bekannt, dass Porsche einen Anteil von 20 Prozent erwerben will - damit ist das Potenzial begrenzt und der erhoffte Höhenflug der Aktie kehrt sich ins Gegenteil." Andere Börsianer verwiesen auf Gewinnmitnahmen. Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz führte zudem an, dass die positiven Aspekte einer erfolgreichen Restrukturierung des VW-Konzerns bereits ausreichend im Kurs berücksichtigt seien.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Porsche tut so, als sei nichts gewesen.

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