Börsengang abgesagt
Russischer Oligarch kauft sich bei Strabag ein

Der russische Milliardär Oleg Deripaska (39) steigt überraschend mit 30 Prozent bei dem österreichischen Baukonzern Strabag SE ein. Deshalb wird der ursprünglich für Anfang Mai geplante Börsengang des Unternehmens voraussichtlich auf den kommenden Herbst verschoben, sagte Mehrheitseigner und Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Haselsteiner am Mittwoch auf einer vorgezogenen Bilanzpressekonferenz in Wien.

dpa-afx WIEN. Die Beteiligung des russischen Oligarchen war am Dienstagabend bekannt geworden. Derzeit gehört die Strabag SE noch zu 50 Prozent und einer Aktie der Familie Haselsteiners. Deripaska werde in das bisherige Eigentümer-Syndikat aufgenommen, das aus seiner Familie sowie der Raiffeisen/Uniqa-Gruppe besteht. Über die Kapitalerhöhung erhält das Unternehmen 1,05 Mrd. Euro an frischem Kapital. Deripaska, der am Mittwoch an den Beisetzungsfeierlichkeiten für Ex-Präsident Boris Jelzin teilnahm, wird an diesem Donnerstag in Wien erwartet.

Nach Aussagen des Strabag-Chefs handelt es sich bei dem Einstieg des zweitreichsten Mannes Russlands um eine rein strategische Beteiligung. "Wer in Europa Nummer eins sein will, muss Nummer eins in Russland sein", meinte Haselsteiner. Durch den Einstieg des Oligarchen stelle sich für die Strabag nicht mehr "die Frage der Aufträge (...) sondern es geht um die Frage, mit welchen Kapazitäten wir diese bewerkstelligen können". Bei der Vereinbarung gehe es darum "Marktanteil gegen Know How zu tauschen". Nach der am Mittwoch vorgelegten Bilanz 2006 hat der Konzern im vergangenen Jahr seinen Umsatz von 6,956 auf 9,431 Mrd. Euro steigern können. Das Ergebnis vor Steuern stieg von 134,7 Mill. Euro auf 287,2 Mill. Euro.

Haselsteiner geht davon aus, dass für die an der Frankfurter Börse notierte Strabag AG Köln "mit großer Wahrscheinlichkeit" ein Pflichtangebot notwendig wird. Die deutsche Finanzmarktaufsicht werde durch den Einstieg Deripaskas in das Eigentümersyndikat wohl darauf bestehen.

Nach Angaben des russischen "Forbes"-Magazins ist Deripaska mit einem Vermögen von umgerechnet rund 16,8 Mrd. Dollar (12,4 Mrd Euro) der zweitreichste Russe. Er hält die Aktienmehrheit am neuen Aluminiumriesen aus den fusionierten russischen Konzernen Rusal und Sual. Er gilt als erster wirklicher Global Player unter Russlands Oligarchen. Über seine Holding Basic Element (Basel) kontrolliert Deripaska den Maschinenbauer Russkije Maschiny, Unternehmen im Banken- und Versicherungssektor, Bau- und Immobilienfirmen sowie den Flugzeugbauer Aviakor. Außerdem ist er in der Automobilbranche aktiv.

Die Strabag rechnet nach ihrem langfristigen Geschäftsplan damit, das Umsatzniveau in Russland bis 2010 auf 600 Mill. Euro zu verdreifachen. Diese Annahmen seien aber "sehr konservativ und spiegeln nur die Weiterentwicklung des Geschäfts wider, das wir derzeit nur im Großraum Moskau und nur im Hochbau haben", sagte Haselsteiner bereits im vergangenen Jahr der APA: "Wir wollen in Russland auch Straßen bauen." Der Nachholbedarf sei enorm. Insgesamt könnte die Bauleistung in Russland für die Strabag in vier oder fünf Jahren die in Österreich von rund zwei Mrd. Euro überholen.

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