Börsengang oder Verkauf möglich
VW stellt Töchter auf den Prüfstand

Europas größter Autobauer Volkswagen denkt im Rahmen seines harten Sparkurses auch intensiv über die Zukunft seiner beiden Töchter Gedas und Europcar nach. Dabei werden mehrere Optionen geprüft: Ausbau, Börsengang oder auch ein Verkauf.

HB HAMBURG. Der Aufsichtsrat habe den Vorstand ermächtigt, alle Optionen von einem strategischen Ausbau bis zu einem Börsengang oder dem Verkauf der Beteiligungen zu prüfen, teilte der Konzern am Freitag in Wolfsburg mit. Diese Entscheidung stehe im Zusammenhang mit dem Vorhaben des Konzernvorstands, alle Unternehmensaktivitäten einer Überprüfung zu unterziehen. Ein VW-Sprecher ergänzte: „Es gibt keine eindeutige Tendenz für eine der Möglichkeiten.“ Der IT-Dienstleister Gedas mit Sitz in Berlin sowie die Autovermietungsfirma Europcar sind hundertprozentige VW-Tochterunternehmen.

Analysten schätzen den Verkaufspreis für beide Töchter auf 0,7 bis 1 Mrd. Euro. „Langfristig positiv, aber nicht für ein Plus von 12 % gut“, äußert sich ein Händler hinsichtlich der aufgrund von zahlreichen Gerüchten zuletzt deutlich gestiegenen VW-Aktie. Den starken Kursanstieg der vergangenen Tage hätte vermutlich nur ein Verkauf des Aktienpakets an einen Investor untermauert. Die am Vortag gut gelaufenen Aktien von Volkswagen standen nach der Mitteilung zu den strategischen Optionen für die Töchter unter Druck.

Über eine Trennung von dem in Berlin ansässigen IT-Dienstleister Gedas war in der Vergangenheit wiederholt spekuliert worden. Zuletzt hatten Gerüchte über einen Verkauf des Autovermieters Europcar International mit Sitz in Paris die Runde gemacht. Am Donnerstag war die VW-Aktie getrieben durch Spekulationen über einen Einstieg des US-Milliardärs Kirk Kerkorian auf den höchsten Stand seit über drei Jahren geklettert. Am Freitag notierte der Titel bei 49 € gut zwei Prozent im Minus.

VW teilte weiter mit, durch die Überprüfung der Optionen bei Gedas und Europcar ändere sich die Gewinnprognose nicht. Der Konzern erwarte weiterhin, dass sowohl der operative Gewinn nach Sondereinflüssen als auch das Vorsteuerergebnis 2005 besser ausfallen werden als im Vorjahr.

VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte angekündigt, dass im Zuge der Einsparungen alle Bereiche auf den Prüfstand gestellt werden sollen. Er will binnen drei Jahren allein bei der Verluste schreibenden Hauptmarke VW fünf Mrd. € einsparen. Dadurch soll der Vorsteuergewinn des Konzerns bis 2008 um vier Mrd. auf 5,1 Mrd. € steigen.

Angaben zum Stand der Verhandlungen über den Standort für den Bau des neuen Golf-Geländewagens wurden zunächst nicht gemacht. Die Gespräche mit dem Betriebsrat sollen am späten Montagnachmittag fortgesetzt werden. Bernhard hat dem Betriebsrat bis Montag Zeit gegeben, um mit Lohnzugeständnissen den Zuschlag für das Stammwerk in Wolfsburg zu erreichen. Andernfalls soll das Modell ab 2007 in Portugal vom Band laufen, wo um rund 1000 € je Fahrzeug billiger gefertigt werden kann.

Die Wirtschaftprüfer von KMPG wollten dem Aufsichtsrat am Freitag einen Zwischenstand ihrer Untersuchungen in der Korruptionsaffäre bei dem Autobauer vortragen.

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