Börsengang platzt
Akzo Nobel verkauft Pharmatochter an Schering-Plough

Der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel wird seine Pharmasparte Organon Biosciences nun doch nicht an die Börse bringen. Der US-Pharmakonzern Schering-Plough hat dem Management ein zu verlockendes Angebot vorgelegt.

HB/lee/dih NEW YORK. Für 11 Mrd. Dollar in bar übernähmen die Amerikaner den Geschäftsbereich, teilten die Unternehmen am Montagmorgen mit. Der ursprünglich geplante Börsengang der Sparte sei damit vom Tisch, erklärte Akzo Nobel weiter. Ursprünglich hatte Organon am 27. März an die Börse gehen sollen. Das jetzige Kaufangebot sei am Sonntag bei Akzo Nobel eingegangen, hieß es. Sowohl Vorstand wie auch Aufsichtsrat von Akzo Nobel hätten der Offerte von Schering-Plough noch am gleichen Tag zugestimmt. Der Verkauf soll im zweiten Halbjahr 2007 abgeschlossen werden. Die zuständigen Regulierungsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Organon setzte 2006 rund 3,7 Mrd. Euro um, von denen aber nur 2,6 Mrd. Euro auf die Humanmedizin entfielen. Den Rest steuerte der Geschäftsbereich Tiergesundheit bei. Damit zählt die Sparte international zu den mittelgroßen Pharmaherstellern.

Organon-Finanzchef Jörg Spiekerkötter, von Schering zu den Niederländern gekommen, hatte das Unternehmen vor dem Wochenende als konservatives Investment bezeichnet. Im Gegensatz zu anderen mittelgroßen Pharmafirmen sei Organon nicht von einzelnen Erfolgsmedikamenten abhängig. Das Unternehmen stellt im Geschäftsfeld Humanmedizin Hormonpräparate, Psychopharmaka und Anästhesieprodukte her, ist aber weniger profitabel als die meisten Wettbewerber. Das Organon-Management versprach jedoch, die Marge von derzeit 13 bis 14 Prozent über den Branchendurchschnitt von 18 Prozent zu heben.

Konzentration setzt sich fort

Auf diesem Rentabilitätsniveau konnte der etwa doppelt so große Berliner Wettbewerber Schering 2006 seine Unabhängigkeit nicht verteidigen: Nach einem feindlichen Übernahmeversuch durch Merck Darmstadt stürzte sich das Unternehmen in die Arme des Bayer Konzerns. Allerdings konnte das Schering-Management auch nicht auf die Unterstützung eines Mehrheitsaktionärs bauen.

Doch auch bei den familiengeführten Unternehmen des Pharma-Mittelfeldes gab es zuletzt eine ganze Reihe von Übernahmen. So wurde Schwarz Pharma an UCB nach Belgien verkauft. Die Pharmasparte des mehrheitlich von Quandt-Erbin Susanne Klatten gehaltenen Altana-Konzerns ging an die dänische Nycomed und die Gründerfamilie des Schweizer Biotech-Konzerns Serono verkaufte an Merck Darmstadt. Altana Pharma und Serono liegen gemessen am Umsatz etwa gleichauf mit Organon.

Mit der Abspaltung der Pharmasparte erfüllt Akzo eine Dauerforderung vieler Analysten. Die meisten anderen Chemiekonzerne in Europa haben sich schon vor vielen Jahren aus dem Pharmageschäft verabschiedet. Nachdem Altana sich mit dem Verkauf des Pharmageschäfts auf das Chemiegeschäft konzentrierte, hält inzwischen nur noch Merck Darmstadt an der Diversifizierung fest. Dort sollen die hohen Gewinne der Chemiesparte in den Ausbau der teuren Wirkstoffentwicklung fließen.

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