Börsengang
RAG-Chef versucht es mit Plan-B

Der Chef des Essener Mischkonzerns RAG – die ehemalige Ruhrkohle AG – hat auf die Kritik an seinen Börsenplänen reagiert und ein neues Modell vorgelegt. Demnach wäre der Bund nicht mehr derjenige, der das Risiko für die Altlasten aus dem Bergbau zu tragen hätte.

HB ESSEN. RAG-Chef Werner Müller legte am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Essen Details für den im zweiten Quartal kommenden Jahres geplanten Börsengang vor. Danach sollen die Eigentümer ihre Anteile an eine noch zu gründende Stiftung abgeben. „Unser Vorschlag ist, dass die Stiftung dann den Industriegüterkonzern in mehreren Tranchen an die Börse bringt“, sagte Müller. Sämtliche Erlöse aus dem Börsengang müssten der Stiftung zufließen. Diese solle dann das Geld dauerhaft verwalten.

Zum Jahreswechsel solle der Konzern in zwei Unternehmen aufgeteilt werden. Dabei handele es sich um den neuen Industriekonzern mit den Bereichen Energie, Chemie und Immobilien sowie den Bergbaukonzern, der weiter den Namen RAG führen solle. Zwischenholdings werden aufgelöst. Die Chemietochter Degussa und der Energiebereich Steag werden enger an die Mutter gebunden.

Müller reagierte mit seinen Äußerungen auf Berichte, nach denen Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) den geplanten Börsengang blockieren wolle, solange die Haftung für die so genannten Ewigkeitskosten des Bergbaus ungeklärt seien. Mit dem Stiftungsmodell ginge dem Bergbau „keinerlei Haftungsmasse verloren“, sagte Müller.

Müllers ursprüunglicher Plan sah vor, dass die RAG-Großaktionäre Eon, RWE und Thyssen-Krupp ihre Beteiligungen für einen symbolischen Euro an ein Konsortium abgeben, das die RAG an die Börse bringt. Der Erlös aus dem Börsengang sollte dem Bund zufließen, der damit alle Altlasten und Pensionen aus dem Steinkohlegeschäft übernimmt. Bei der Stiftungslösung wäre die öffentliche Hand von diesen Risiken befreit.

Geschäftlich geht es der RAG gut. Für das vergangenen Jahr sei der Gewinn nach Steuern in den fortgeführten Geschäftsfeldern von 112 auf 292 Mill. Euro gestiegen, teilte die frühere Ruhrkohle AG am Donnerstag in Essen mit. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe der Gewinn von 1,048 auf 1,386 Mrd. Euro zugelegt. Der Umsatz kletterte um 19 Prozent auf 21,9 Mrd. Euro.

Im Zusammenhang mit dem Umbau verkauft die RAG ihre Tochter Saar Ferngas an den Energiekonzern RWE, wie Müller bestätigte. Der 77-prozentige Anteil wird rückwirkend zum 1. Januar 2006 übertragen. Einen Verkaufspreis nannte er nicht. Nach Informationen aus Branchenkreise liegt er bei knapp 400 Mill. Euro.

Bis zum Herbst will die RAG einen neuen Namen für das Unternehmen finden, da der Konzern sich bei dem geplanten Börsengang auch internationalen Investoren öffnen möchte. In englischer Sprache bedeutet „rag“ Lumpen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%