Börsenkandidat Covestro
Bunte Truppe auf dem Weg in den Dax

Mit einer großen Party feiert Covestro die Loslösung von Bayer. Die bisherige Kunststoffsparte kommt bald an die Börse – es wird der größte deutsche IPO seit der Jahrtausendwende. Welche Chancen hat das neue Unternehmen?
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DüsseldorfWer verbirgt sich hinter dem Namen Covestro? Ein texanischer Finanzinvestor, so beantworten die einen diese Frage. Ein neuartiger Immobilienkonzern, meinen die anderen. Beides falsch. Tatsächlich handelt es sich um das viertgrößte Chemieunternehmen Europas, eine neue Firma aus Leverkusen, die schon bald in den deutschen Leitindex Dax aufgenommen werden könnte.

Der heutige 1. September ist der Gründungstag von Covestro. So heißt die bisherige Kunststoffsparte der Bayer AG von nun an. Der Konzern entlässt Bayer Material Science in die rechtliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Das muss natürlich gefeiert werden: 6000 Mitarbeiter aus den deutschen Standorten sind auf das Bayer-Gelände in Leverkusen eingeladen, um der Geburt beizuwohnen.

Auf der Kaiser-Wilhelm-Allee, schräg gegenüber des Bayer-Kasinos, steht die recht schmucklos wirkende Firmenzentrale von Covestro. Dort werden am Dienstag voller Stolz Produkte gezeigt, für die das Unternehmen die Technik zuliefert. Etwa Teile des Solarfliegers Solar Impulse 2, der die Welt ausschließlich mit Sonnenenergie umrunden will. Covestro ist Partner des Projekts: Die Kunststoffe aus Leverkusen sollen dem Flugzeug die nötige Leichtigkeit verschaffen.

Covestro-Chef Patrick Tomas wird den Zusammenhalt der neuen Truppe beschwören und die Zukunft des Kunststoffherstellers in rosigen Farben beschreiben. So, wie er das in den nächsten Wochen vielerorts tun muss, denn Covestro soll bald an die Börse. Noch im Oktober könnte die Aktie erstmals notiert sein, so wünscht es sich der Bayer-Konzern. „Wir sind neugierig, mutig und bunt“, sagt Thomas.

Eine Bewertung von zehn Milliarden Euro wird angepeilt, rund drei Milliarden Euro sollen in der ersten Tranche platziert werden. Es wird der größte Börsengang in Deutschland seit der Jahrtausendwende. Damals, im November 2000, wagte die Deutsche Post den Weg auf das Parkett. Emissionsvolumen: 5,84 Milliarden Euro.

Anleger werden sich den Namen Covestro also merken müssen. Die Geburtsumstände sind gut. Bayer hat schon einmal eine neue Firma auf die Welt gebracht. Das war im Jahr 2005, als die Leverkusener ihre Chemiegeschäfte bündelten und in der Lanxess AG ausgliederten. Es war damals ein bunt zusammengestelltes Portfolio, das Management musste sich die Klammer erst selbst noch suchen. Beteiligte erzählen heute noch von Grabenkämpfen zwischen Führungskräften, die zusammenrücken sollten, aber nicht wirklich wollten.

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