Börsenwert ist heute niedriger und der Schuldenberg höher als 1997
Preussag-Umwandlung hat sich für Aktionäre nicht gelohnt

Zu breit, zu zyklisch zu schwach: Schön früh erkennt Vorstandschef Michael Frenzel, dass der Gemischtwarenladen Preussag nie die Strahl- und Schlagkraft des US-Vorzeige-Konglomerats General Electric erreichen wird. Dreieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt in Hannover beginnt er deshalb mit einem radikalen Konzernumbau.

DÜSSELDORF. Den entscheidenden ersten Schritt vom stahllastigen Rohstoffkonzern zu einem konsumnahen Touristikdienstleister macht Frenzel am 2. September 1997: Die Preussag erwirbt für 1,42 Mrd. Euro 99,4 Prozent der Aktien der Hapag-Lloyd AG in Hamburg – und mit ihr 30 Prozent der damaligen Touristik Union International, der Tui. Ein halbes Jahr später gibt das Bundeskartellamt grünes Licht: Die Preussag darf Hapag-Lloyd und außerdem eine Mehrheitsbeteiligung an der Tui übernehmen.

Frenzel gibt die Marschrichtung vor: „Damit ist der Weg frei, dem Preussag-Konzern ein neues Geschäftsfeld mit beachtlichem Wachstumspotenzial zu erschließen.“ Um die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, muss sich allerdings der damalige Preussag-Großaktionär WestLB verpflichten, seine 34-Prozent-Beteiligung am Ferienflieger LTU abzugeben.

Unerwartet bietet sich wenig später eine günstige Verkaufsgelegenheit. Thyssen und Krupp lösen mit ihrem Zusammenschluss eine Fusionswelle in der Stahlbranche aus, Frenzel führt erste Gespräche mit British Steel. Doch der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Gerhard Schröder, funkt seinem Parteigenossen Frenzel kurz vor der Landtagswahl dazwischen. Für 540 Mill. Euro verkauft Preussag im Februar 1998 die Stahltochter an das Land und die NordLB.

Im Herbst 1998 sichert sich Frenzel eine Mehrheit an der Tui. Wenige Monate später übernimmt die Preussag die restlichen Tui-Anteile von WestLB und der Deutschen Bahn. Frenzel, der den Kapitalmarkt stets im Blick hat, ist obenauf: Um 50 Prozent ist der Preussag-Kurs seit September 1997 gestiegen. Analysten überbieten sich geradezu mit Kaufempfehlungen.

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