Boing greift an
Die kopflosen Riesen

Bei der wichtigsten Luftfahrtmesse der Welt auf dem Flughafen Le Bourget in Paris wird es zu der einen oder anderen skurrilen Veranstaltung kommen – und das ausgerechnet bei den größten Luftfahrtunternehmen der Welt: Boeing und EADS. Die Protagonisten haben es nicht geschafft, bis zur prestigeträchtigen Veranstaltung eine endgültige Führungsspitze zu präsentieren.

HB MÜNCHEN.Allmählich bedrohlich wird die Situation vor allem bei den Europäern. Nicht nur wichtige Entscheidungen über die Details des neuen Langstreckenjets A 350 hängen fest, auch der Ruf des Unternehmens ist bereits beschädigt, stellen Luftfahrtexperten fest. „Man stelle sich vor, BMW, General Motors oder Daimler-Chrysler würden sich in Detroit oder bei der Internationalen Automobilausstellung ohne Vorstandschef präsentieren“, amüsiert sich ein Insider. Und das in einer Branche, bei der – zumindest bei Großaufträgen – der Chef am Tisch sitzen muss.

Erst zettelte Airbus-Chef Noël Forgeard im vorigen Jahr einen monatelangen Machtkampf um die Konzernführung an und drängte seinen Erzrivalen Philippe Camus aus der Doppelspitze der Konzernmutter EADS. Genervt zog sich auch Rainer Hertrich zurück und machte Verteidigungs-Chef Tom Enders Platz. Doch das Thema ist noch nicht vom Tisch. Beide neue Vorstandschefs sind noch nicht inthronisiert, weil sich die Anteilseigner – auf der einen Seite der französische Staat und der Industrielle Arnaud Lagardère, auf der anderen Seite Daimler-Chrysler – seit Monaten nicht auf einen neuen Airbus-Chef und eine neue Kompetenz- und Machtverteilung einigen können. Das wird für die Peinlichkeit sorgen, dass Forgeard in Paris nur für Airbus und Enders nur für die Rüstungssparte sprechen können. Aber wenn es um Fragen des Mutterkonzerns EADS geht, müssen die Chairmen Arnaud Lagardère und Manfred Bischoff in die Bütt, die sonst viel lieber im Hintergrund agieren. So beschäftigt sich der europäische Weltmarktführer mehr mit sich selbst als mit seinen Kunden und der Konkurrenz.

Das europäische Ämtergewurschtel spielt vor allem dem US-Rivalen Boeing in die Hände, weil es dessen Personalpannen überdeckt, sagen Branchenkenner. Korruption und Liebschaften kosteten in den vergangenen eineinhalb Jahren zunächst Vorstandschef Phil Condit und dann seinem Nachfolger Harry Stonecipher den Job. Seither führt Übergangskandidat James Bell das Unternehmen. In Paris hält aber vor allem der Chairman Lou Platt die Stellung. Aber die Amerikaner haben mit ihrem 787 Oberwasser und scheinen derzeit handlungsfähiger als EADS.

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