Boni bei Volkswagen
Eine verpasste Chance für VW

Der Vorstand von Volkswagen verzichtet auf einen Teil seiner Bonuszahlungen. Damit beendet Deutschlands größter Autokonzern eine lästige Debatte. Doch VW lässt auch eine große Chance verstreichen. Ein Kommentar.
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DüsseldorfDer Niedergang von Imperien ist ein beliebter Stoff für Historiker. In ihren Abhandlungen ist oft von wirtschaftlichen Krisen die Rede, von verlorenen Schlachten und größenwahnsinnigen Führern. Meist ist der Niedergang aber ein schleichender Prozess, vorangetrieben durch übersättigte Gesellschaften, deren Zusammenhalt schrumpft.

In Wolfsburg sollte man sich die Analysen der Historiker zu Herzen nehmen. So sehr die externen Folgen des Dieselskandals den deutschen Autoriesen auch erschüttern mögen – ohne den Zusammenhalt zwischen Belegschaft und Management steht man in Wolfsburg vor existenziellen Problemen.

Und um den Zusammenhalt ist es in Wolfsburg derzeit nicht gut bestellt. Das Machtvakuum, das der einstige Firmenpatriarch Ferdinand Piëch und der abgetretene Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn hinterlassen haben, ist groß. Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Markenchef Herbert Diess streiten ungewohnt öffentlich um den neuen Kurs. Im Zwölf-Marken-Reich tobt ein Machtkampf. Die gelebte Transparenz, die der neue Konzernchef Matthias Müller bei seinem Amtsantritt einforderte, offenbart bisher vor allem internen Zwist.

In den vergangenen Tagen diskutierte der Konzern über die üppigen Bonuszahlungen seiner Führungsriege. Eine Debatte zur Unzeit: Täglich trudeln neue Milliardenklagen gegen den Konzern ein. Den Rückruf des Passats musste man erneut verschieben, weil eine technische Lösung fehlt. Und bisher ist es noch nicht gelungen, sich im Dieselstreit mit den US-Behörden zu einigen. Zudem stehen wichtige Termine an: Der Bericht der Anwaltskanzlei Jones Day soll bald vorgelegt werden, bis zur Hauptversammlung bleibt nur wenig Zeit. Eine ausufernde Debatte über Managergehälter kann sich VW derzeit nicht leisten.

Entsprechend schnell fand sich ein Kompromiss: Man wolle die Fälle individuell prüfen und auf bis zu 30 Prozent der Bonuszahlungen verzichten, heißt es aus Konzernkreisen. Auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der sich zehn Millionen Euro für den Wechsel in das Aufsehergremium auszahlen ließ, wird nachträglich zur Kasse gebeten. Er soll "nur" noch sieben Millionen Euro ausgezahlt bekommen.

Dieser Kompromiss ist vor allem der Beweis, dass die aktuelle Gefühlslage der Belegschaft noch nicht in der Vorstandsetage angekommen ist. Denn der Dieselskandal und seine finanziellen Folgen werden unter den Arbeitern mit großer Sorge beäugt. Die Angst, dass nötige Sparprogramme auch den eigenen Arbeitsplatz gefährden, ist greifbar. In den kommenden Wochen stehen harte Verhandlungen an. Ein Komplettverzicht der Vorstände auf Bonuszahlungen wäre im Vorfeld ein starkes Signal gewesen: VW ist uns wichtiger als der eigene Geldbeutel, wir alle müssen den Gürtel enger schnallen. Öffentlich wäre dieser Verzicht besser aufgenommen worden als jede millionenschwere Imagekampagne. Diese Chance hat man nun ungenutzt verstreichen lassen.

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Nicht gerecht, aber richtig

Kommentare zu " Boni bei Volkswagen: Eine verpasste Chance für VW"

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  • Grosses Geschrei; ich würde als Mgr auf der Erfüllung meines Vertrags pochen, wie die Gewerkschaften auf der Arbeitsplatzsicherung.
    Keiner von der Beleg- und Gewerkschaft hat was gewusst - jeder Dieselfahrer hat's gerochen und gesehen. Alle nur auf Rabattauto und billigem Treibstoff fixiert.
    Ich hoffe, dass die Strafe aus den USA dem Verein 'das Auto' die Feinstaubvergiftungs-Weltmacht-Flausen für ewig austreibt. Aber das wird bei einem systemischen und unbeweglichen Autohersteller schwierig...

  • Ein komplett Verzicht aller Manager und Mitarbeiter wäre das sinzig richtige Zeichen. Wir Steuerzahler werden uns erinnern wenn VW nach Geld schreit.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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