Bonjean erwartet Umsatzminus zwischen 3 bis 4 Prozent
Bauwirtschaft hat das Jahr 2003 abgeschrieben

Das deutsche Baugewerbe hat das Jahr 2003 als verloren abgehakt. Die Modernisierung von Altbauten kann die fehlenden Aufträge für Neubauten und von der öffentlichen Hand nicht ersetzen. „Investitionen tätigt nur, wer Vertrauen in die künftige Entwicklung hat,“ sagte Heinz- Werner Bonjean, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB).

agr DÜSSELDORF. Da dies zurzeit wegen der konjunkturellen und politischen Krise überhaupt nicht vorhanden sei, werde 2003 ein verlorenes Jahr für die Bauwirtschaft sein. Bonjean rechnet frühestens 2005 mit einer Erholung am Bau. Der BVB ist die Dachorganisation von elf Verbänden des mittelständischen Bau- und Ausbaugewerbes und vertritt 300 000 Firmen mit einem Umsatz von 191 Mrd. Euro.

Auf den mittelständischen Betrieben lasteten die Zurückhaltung potenzieller Bauherren im Neubausegment und die Einsparungen der öffentlichen Hand, nennt Bonjean die Ursachen der Baukrise. Von einem verstärkten Modernisierungsgeschäft im Altbau verspricht er sich keinen Ausgleich.

Bonjean rechnet im Bauhauptgewerbe im laufenden Jahr mit einem Umsatzminus zwischen 3 und 4 %. Die Zahl der Beschäftigten der Hoch- und Tiefbaubetriebe wird voraussichtlich um 5 % oder 60 000 Mitarbeiter zurückgehen. Weitaus pessimistischer ist dagegen der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der die größeren Baufirmen vertritt. HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper rechnet mit einem Umsatzeinbruch von 6 %. Der BVB sieht dagegen erste Chancen für eine Verbesserung der Auftragslage. Wegen der drohenden Abschaffung der Eigenheimzulage ist die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser stark angestiegen. Gleichzeitig weckt die Gemeindefinanzreform Hoffnung auf mehr öffentliche Investitionen.

Für das Ausbauhandwerk rechnet der BVB 2003 mit einem Umsatzminus von 4 % und einem Beschäftigungsrückgang um 6 %. Zwar könne die Altbaumodernisierung hier eine schwache Nachfrage abfedern. Dennoch gehe jeder zweite Betrieb von sinkenden Umsätzen aus. Die Haus- und Gebäudetechniker erwarten Rückgänge um 3 % bzw. 4 % bei Umsatz und Beschäftigung.

In den ersten vier Monaten lag der Umsatz der Baubranche laut Statistischem Bundesamt um 10,4 % und der Auftragseingang um 15 % unter Vorjahresniveau. Frühindikatoren lassen kaum Besserung erwarten. Zwar empfanden westdeutsche Baufirmen laut Ifo-Konjunkturtest im Juni ihre Geschäftslage etwas weniger ungünstig, doch hat die Bauproduktion weiter abgenommen. Der NTC-Bauindex signalisierte eine beschleunigte Abnahme der Geschäftstätigkeit. Viele Firmen nannten den Auftrags- und Investitionsmangel seitens der öffentlichen Hand als Hauptgrund für den hohen Geschäftsrückgang im Juni.

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