Boom
ABB kehrt ins Bahngeschäft zurück

Der Schienenverkehr boomt auf der ganzen Welt - und lockt den Elektrokonzern ABB. Einst baute er komplette Loks, heute liefert er High-Tech-Bauteile. Für die deutsche Bahn hat er eine neue Antriebstechnologie entwickelt, die den ICE 1 wiederbeleben soll - und bares Geld spart.
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MANNHEIM. Neues Leben für die erste, bald 20 Jahre alte ICE-Generation: In einem Pilotprojekt konzipierte der schwedisch-schweizerische Energie- und Automatisierungskonzern ABB für die Deutsche Bahn die grundlegende Modernisierung der elektrischen Antriebstechnologie in den Triebköpfen der ICE-1-Flotte. Leichter, effektiver, sparsamer werden die Züge dank der neuen Aggregate, sagt Rolf Amann, bei ABB für den Kunden Deutsche Bahn zuständig. Mit der neuen Technik würden pro Zug und Jahr Energiekosten von etwa 100 000 Euro gespart.

Der Konzern entwickelte neuartige Traktionsumrichter, die den Strom aus der Oberleitung zum Antrieb der Fahrmotoren umformen. Und hofft nun auf ein lukratives Geschäft mit solchen hochspezialisierten High-Tech-Komponenten: In sogenannten "Retrofit"-Programmen könnten - über den ICE 1 hinaus - Hochgeschwindigkeitszüge älterer Bauarten auf diese Weise für weitere Einsatzzeiten ertüchtigt werden.

Einer der größten Zulieferer

Bei den Komponenten für die Antriebe elektrischer Schienenfahrzeuge vom Transformator bis zur Leistungselektronik sieht sich ABB weltweit als Top-Anbieter, teils sogar als Marktführer. Auch die bei Siemens im Bau befindliche Serie von Velaro D-Zügen, die die Deutsche Bahn ab Ende 2011 als ICE 3 international einsetzen will, sei mit Traktionstransformatoren des Unternehmens ausgestattet. Und der Weltrekord-TGV von Alstom, der im April 2007 auf einer Testfahrt 575 Kilometer pro Stunde erreichte, fuhr ebenfalls mit ABB-Technik.

Weltweit zählt das Unternehmen in der Bahntechnik zu den fünf größten Zulieferern. "Die Bahnindustrie ist eine von vier Branchen, in denen type="person" value="? Henschel, Abb">ABB in Zukunft weltweit die größten Wachstumschancen sieht", sagte Jean-Luc Favre, im Konzern für die Bahnen zuständig. Zwischen 2007 und 2009 habe der Konzern in dieser Sparte einen Auftragszuwachs von fast 80 Prozent erreicht. Neben der Antriebstechnologie ist ABB auf die stationäre Bahnstrom-Versorgung spezialisiert und versorgt die Bahnnetze mit der Technik, die den Industriestrom auf Bahnstrom umformt.

Allein in diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit neuen Orders im Bahnsektor im Wert von 1,4 Mrd. Dollar (1,1 Mrd. Euro). Das entspräche einem Zehntel des Auftragsvolumens, das die deutsche Bahnindustrie im vergangenen Jahr verbucht hatte. In Deutschland erzielte ABB im vergangenen Jahr mit rund 10 000 Beschäftigten in allen Sparten rund 3,2 Mrd. Euro Umsatz.

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