Boom hält an
Elektrobranche sucht Leute

Für die deutsche Elektroindustrie läuft es momentan glänzend. Sie rechnet mit einem Boom bis Ende 2008 und will tausende neue Arbeitsplätze schaffen. Das führt allerdings zu Problemen: Ingenieure und technische Fachkräfte werden knapp.

HB FRANKFURT. Die nach der Autobranche zweitgrößte deutsche Industriebranche hob am Mittwoch ihre Prognose an und erwartet 2007 ein Umsatzplus von mindestens sechs Prozent auf gut 190 Mrd. Euro. Zuvor war nur von 5 bis 6 Prozent die Rede. Der Schwung werde bis Ende kommenden Jahres anhalten und der Branche einen Rekordumsatz von mehr als 200 Mrd. Euro bescheren, teilte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) in Frankfurt mit. Die Branche will allein in diesem Jahr ihre Mitarbeiterzahl um bis zu 8 500 auf rund 815 000 Beschäftigte ausbauen. Das wären doppelt so viele Neueinstellungen wie 2006.

„Der Konjunkturzug ist auch in unserer Branche weiter in voller Fahrt“, sagte ZVEI-Hauptgeschäftsführer Gotthard Graß. „Der Aufschwung ist stärker als nach der Wiedervereinigung, weil es auf breiter Front nach oben geht.“ Sowohl beim Export als auch im Inland sei der Schwung ungebrochen und werde voraussichtlich erst Anfang 2009 nachlassen. Risiken für den Aufschwung stellten die hohen Rohstoffpreise, der anhaltende Höhenflug des Euro sowie der Fachkräftemangel dar. „Einige Tausende Ingenieure fehlen“, sagte Graß. „Der Markt muss für ausländische Fachkräfte geöffnet werden.“ Der Verband forderte die Bundesregierung auf, die Einstellung von Ingenieuren aus dem Ausland zu erleichtern.

In den ersten vier Monaten machte die Branche 5,7 Prozent mehr Umsatz als ein Jahr zuvor. Wachstumstreiber sind laut ZVEI die Bereiche Energietechnik (Kraftwerke und Stromnetze) und Automatisierung mit zweistelligen Zuwachsraten. Viele Firmen kauften verstärkt Investitionsgüter. Dagegen hielten sich seit Jahresbeginn die privaten Verbraucher beim Kauf von Hausgeräten und Unterhaltungselektronik zurück, der Markt stagnierte. „In diesen Zahlen machen sich die Sonderkonjunkturen des letzten Jahres bemerkbar“, sagte Graß. Die Fußball-WM habe 2006 einen Absatzboom bei Flachbildschirmen beschert und wegen der Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 hätten viele Konsumenten Computer, Fernseher und Waschmaschinen bereits im vergangenen Jahr gekauft.

Auch 2006 liefen die Geschäfte der Elektroindustrie besser als bislang bekannt. So revidierte der ZVEI seine Berechnungen auf Basis vorläufiger Daten vom Februar nach oben. Die Branche habe 2006 ein „sattes Umsatzplus“ von 8,6 Prozent statt 7,5 Prozent gemacht. Die Firmen verdienten auch wieder mehr, die Umsatzrendite lag bei 5,5 Prozent und soll laut ZVEI in diesem Jahr „spürbar steigen“. Dank voller Kassen investieren die Firmen kräftig und werden laut Verband in diesem Jahr 17 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung sowie Maschinen und Anlagen stecken.

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