Boombranche
Blitzkarriere Zeitarbeit

Vom Schmuddelkind zum Saubermann-Image - die Zeitarbeitsfirmen sind in den vergangenen Jahren erwachsen geworden. Vor allem für Fach- und Führungskräfte wird die Boombranche zur interessanten Alternative, und zwar trotz Wirtschaftskrise. Woher die Branche ihre Zuversicht nimmt.

HB. Bin ich der Nächste? Wann bin ich dran? Werde ich abbestellt, ausrangiert, arbeitslos? Diese Frage stellen sich dieser Tage immer mehr Menschen. Vor allem diejenigen, die als Nomaden der modernen Arbeitswelt beschäftigt sind: die Zeitarbeiter. Sie waren die Ersten, die vom Jobboom der letzten Jahre profitiert haben. Und sie sind jetzt die Ersten, die gehen müssen, nun, da die weltweite Wirtschaftskrise eine Branche nach der anderen erfasst.

Bei einer Erhebung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) erklärten vier von zehn befragten Mittelständlern, dass sie sich bereits von Zeitarbeitern getrennt haben oder dies planen. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben durch die Wirtschaftskrise bereits 100 000 Zeitarbeiter ihren Job verloren, insbesondere in der Automobilindustrie.

Doch Krise hin oder her - die Zeitarbeit hat in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt, der seinesgleichen sucht. Die Branche hat sich aus der Schmuddelecke gekämpft, und sich in der gesamten Europäischen Union und vor allem auf dem deutschen Arbeitsmarkt als Konjunkturstütze bewährt und dabei für Beschäftigungshöchststände gesorgt. Mittlerweile vermitteln die Personaldienstleister auch nicht mehr nur Geringqualifizierte, sondern spezialisiertes und hoch motiviertes Fachpersonal. Die breit aufgestellten Branchenführer Randstad, Adecco und Manpower führen Abteilungen, die "Technology" oder "Engineering" heißen. Zudem konzentrieren sich immer mehr Spezialanbieter auf die Vermittlung der begehrten Klientel. Weder beim Flugzeughersteller Airbus noch im deutschen Maschinenbau sind dem Branchenverband Zeitarbeit (BZA) Probleme mit Zeitarbeitern bekannt. Die Personaldienstleister sind sich deshalb sicher, dass Zeitarbeiter derzeit zwar aussehen mögen wie Krisenverlierer, langfristig aber das Zeug zum Krisengewinner haben. Vor allem diejenigen, die gut ausgebildet sind.

Dabei gab es eine Zeit, da schämte sich der Zeitarbeiter sein Anstellungsverhältnis preiszugeben und jede Fach- oder Führungskraft wäre davor zurückgezuckt, einen Zeitarbeitsjob anzunehmen. Die Branche war verpönt. Der Zeitarbeiter galt als Arbeitnehmer niederster Klasse, der unter Tage, am Stahlkocher oder als Hilfsarbeiter in Fabriken malochte. Er war ein Tagelöhner, ein Ungelernter, der sich heute hier und morgen dort für einen geringen Stundensatz andiente.

Es folgte die Zeit, in der war er heiß begehrt. Das war im jüngsten Wirtschaftsaufschwung, als die Firmen sich vor Aufträgen nicht retten konnten und die Stammbeschäftigten die Arbeit nicht mehr alleine schafften. Das waren die goldenen Zeiten der Zeitarbeiter, sie wurden nachgefragt wie selten zuvor. Die wie Pilze aus dem Boden schießenden Personaldienstleister kamen mit dem Verleihen von menschlicher Arbeitskraft kaum hinterher, das Geschäft blühte und bescherte ihnen riesige Umsatz- und Gewinnzuwächse. Die Zeitarbeit galt als Jobmotor. Im Juni letzten Jahres meldete die Bundesagentur für Arbeit knapp 800000 Zeitarbeitnehmer, ein Rekordstand. Dabei waren drei Viertel von ihnen zuvor ohne Job. "Zeitarbeit ist für viele Menschen die Brücke aus der Arbeitslosigkeit in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung", lobte Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

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