Boomende Nachfrage
Großanlagenbau bleibt auf Rekordkurs

Die deutschen Großanlagenbauer haben prall gefüllte Auftragsbücher. Vor allem Bestellungen aus dem Ausland und speziell dem nahen Osten bescheren den Unternehmen neue Rekordergebnisse. Zwei wichtige Exportländer sind davon allerdings ausgenommen.

gil DÜSSELDORF. Die Branche verbuchte im Zeitraum Juli 2005 bis Juni des laufenden Jahres Auftragseingänge in Höhe von 24,4 Mrd. Euro, ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Ursache für den Rekord ist die boomende Nachfrage aus dem Ausland“, sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im Branchenverband VDMA, Dieter Rosenthal. Bestellungen über 18,8 Mrd. Euro kamen aus dem Ausland, hier stieg der bereits hohe Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent.

Für 2006 erwartet die Branche einen leichten Rückgang der Bestellungen auf etwa 22 Mrd. Euro, was der Verband mit einem leicht geringeren Auftragseingang aus dem Inland begründet. In Deutschland waren im ersten Halbjahr die Bestellungen für Großkraftwerke zurückgegangen. Jedoch rechnet Anlagenbau-Experte Klaus Gottwald vom VDMA angesichts des hohen Ersatzbedarfs bei Kraftwerken bis Jahresende wieder mit mehr Bestellungen. Im Vorjahr haben Kunden aus dem Inland für 5,6 Mrd. Euro Anlagen bestellt.

Kraftwerke sind allgemein gefragt. Hierfür verbuchten die deutschen Hersteller Aufträge über 10,6 Mrd. Euro. Erst am gestrigen Mittwoch erhielt Siemens einen Auftrag für zwei Wärmekraftwerke in Argentinien über rund eine Mrd. Dollar. Aber auch Hütten- und Walzwerke sowie Chemieanlagen stehen auf den Bestelllisten.

Wichtigster Kunde für die deutschen Großanlagenbauer bleibt der Nahe Osten. Die Länder legen ihre Einnahmen aus den Öl- und Gasexporten wieder an und investieren einen Großteil in Kraftwerke und Petrochemieanlagen. Größte Kunden sind Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Dagegen sind die Bestellungen aus dem Iran stark zurückgegangen und lagen nur noch bei 400 Mill. Euro. 2005 hatte der Iran noch für rund eine Mrd. Euro Großanlagen in Deutschland bestellt. Dem politischen Kurswechsel sind allerdings einige Aufträge zum Opfer gefallen. So hat auch Linde einen großen Auftrag im Iran verloren, den der Iran jetzt im eigenen Land vergeben will. Die Bestellungen aus China sanken um elf Prozent auf 1,8 Mrd. Euro, was Gottwald mit einer leichten Abkühlung der Stahlkonjunktur erklärt. Dagegen bestellt Indien seit 2002 ständig mehr bei den deutschen Anlagenbauern und liegt mit einem Auftragsvolumen von einer Mrd. Euro bereits auf Rang vier der größten Kunden.

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