Bootsbauer
Hedge-Fonds hilft Bavaria Yachtbau aus der Patsche

Nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen über die Zukunft des schwer angeschlagenen Bootsbauers Bavaria Yachtbau wurde jetzt eine Lösung gefunden. Die Commerzbank als einer der Hauptgläubiger hat nach Informationen aus Finanzkreisen ihre Kredite an den amerikanischen Hedge-Fonds Anchorage Advisors verkauft. Nun ist eine Kapitalerhöhung im Gespräch.

FRANKFURT. Die Commerzbank und Anchorage Advisors wollten dies nicht kommentieren. Bavaria Yachtbau war vom Finanzinvestor Bain auf dem Höhepunkt des Private-Equity-Booms zu einem überzogenen Preis von rund einer Mrd. Euro mit massiver Fremdfinanzierung gekauft worden. Angesichts der Verschuldung drohte die Pleite. Nur weil die bisherigen Hauptgläubiger Commerzbank und der Investmentgesellschaft Oaktree sich im Juli zu einer Zinsstundung bereit erklärt hatten, konnte die Insolvenz abgewendet werden. Bavaria drücken Schulden über mehr als 800 Mio. Euro. Davon trägt die Commerzbank etwa die Hälfte der Last. Der Umsatz der Firma aus Giebelstadt bei Würzburg ist zudem in Folge der Rezession eingebrochen. Neue Zahlen wollte das Beteiligungsunternehmen Bain auf Anfrage nicht nennen. Im Juli 2007 erzielte die Firma mit 620 Mitarbeitern noch Erlöse von rund 290 Mio. Euro.

Anchorage ist ein auf notleidende Kredite spezialisierter Hedge-Fonds mit sieben Mrd. Dollar unter Verwaltung. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass die Commerzbank für ihr zum Teil abgeschriebenes Kreditengagement über etwa 400 Mio. Euro einen Preis von über 30 Prozent des Gesamtvolumens erzielen konnte. Bei notleidenden Krediten werden teilweise nur gut zwanzig Prozent bezahlt. Derzeit finden "konstruktive Gespräche" über die Zukunft Bavarias zwischen den beiden großen Kreditgebern, Oaktree und Anchorage mit dem Finanzinvestor Bain statt. Ziel sei es, einen teilweisen Forderungsverzicht zu erzielen, indem Schulden in Eigenkapital umgewandelt werden (Debt-Equity-Swap). Damit soll die bilanzielle Restrukturierung vorangebracht werden. Außerdem gibt es offenbar Überlegungen des Eigentümers Bain Capital, eine Kapitalerhöhung im zweistelligen Millionenbereich auf die Beine zu stellen.

Eine Einigung zwischen den Beteiligten muss in den nächsten Wochen erzielt werden, denn die Zeit drängt. In den Branche wird ein Großteil des Geschäfts im Herbst und Winter abgeschlossen, wenn die großen Bootsmessen stattfinden. Mitte September etwa startet die Interboot in Friedrichshafen, und Ende Oktober folgt die Hanseboot als zweite große Messe. Bis dahin muss für die Kunden Klarheit herrschen. Sie kaufen natürlich nur, wenn sie sich auch sicher sein können, dass der Bavaria Yachtbau auch noch morgen existiert.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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