Bosch-Chef Volkmar Denner
„Mein Traum ist, dass wir den Krebs besiegen“

Der Technikkonzern Bosch hat den Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs aufgenommen. Neue Forschung soll vor allem den eigenen Mitarbeiter zugute kommen, die unter einem Tumor leiden. Was hinter Denners Plan steckt.

Der Autozulieferer und Technikkonzern Bosch hat ein „Bündnis gegen Krebs“ zusammen mit der Bosch Stiftung und dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gegründet. Dabei soll ein Forschungszentrum entstehen, das von der Robert Bosch Stiftung mit 24 Millionen Euro bis 2020 gefördert wird.

Außerdem sollen das Zentrum den Bosch-Beschäftigten zugute kommen. „Ab sofort werden wir Beschäftigten, die an einem Tumor erkrankt sind, auf Firmenkosten den Zugang zur neuesten Krebsdiagnostik hier im Krankenhaus ermöglichen“, kündigte Bosch-Chef Volkmar Denner am Montag in Stuttgart an. Bosch stellt dafür jährlich rund eine Million Euro zur Verfügung.

Aber das Ganze ist mehr als nur eine Charity-Veranstaltung. Ein Blick zurück hilft: „Mein Traum ist es, dass wir mit Bosch den Krebs besiegen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner bei der Grundsteinlegung für den 300 Millionen Euro teuren neuen Forschungscampus in Renningen im September 2012. Nun wird aus Bosch sicher kein Pharmakonzern, der Medikamente und Therapien entwickelt. Aber Denner legte damals den Grundstein für einen sogenannten „lab on the chip“. Dabei handelt es sich u8m ein Mikrosystem, das Diagnosen im Netz schnell verfügbar macht. „Das ist ein Kampfauftrag an meine Forscher“, sagte Denner damals, der eigentlich nicht für archaische Ausdrucksweise bekannt ist.

Bosch ist stark im Bereich der Mikrosensorik. Auch haben die Schwaben schon optische Geräte zur Erkennung von Augenkrankheiten entwickelt. Und Bosch-Chef Denner lässt permanent nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für Bosch-Technologie Ausschau halten. Zu der gehört auch Software- und Internetkompetenz sowie eine eigene Cloud und damit Big-Data-Know-How.

Das Forschungszentrum in Renningen ist inzwischen mit 1.700 Forschern bezogen. An was die Bosch-Forscher in Renningen wirklich tüfteln, halten die Schwaben möglichst lange unter Verschluss. Ein Institut für Biotechnologie ist allerdings nicht dabei. Zu Bosch würde ohnehin eher Diagnostik als Therapie passen. Aber eines hat die Vergangenheit bislang gezeigt: Bosch-Chef Denner hat noch nie nur etwas so zufällig dahingesagt. Und schon gar nicht bei einer Grundsteinlegung.

Mit dem Bosch-Krankenhaus hat der Konzern einen direkten Zugang zur Praxis. Welcher andere Technologie-Konzern mit mehr als 70 Milliarden Euro Umsatz – außer Siemens mit seiner Medizintechnik in Erlangen – kann das schon von sich behaupten. Es ist ein „Kampfauftrag an meine Forscher“, sagt Denner.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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