Bosch kann eigenes System frühestens 2005 in Großserie produzieren
Neue Dieselfilter bescheren Auto-Zulieferern Umsatzschub

Sinneswandel auch bei Opel: Nach Ford, Mercedes und BMW haben auch die Rüsselsheimer angekündigt, ihre Diesel-Modelle künftig mit Rußpartikel-Filtern auszustatten. Die überraschende Kehrtwende der deutschen Autobauer freut vor allem die Zulieferer: Ihnen winken nach Schätzung von Experten neue Umsätze im dreistelligen Millionenbereich.

hz FRANKFURT/M. Bisher hatten sich die Hersteller vehement gegen den Einbau von Rußpartikel-Filtern gewehrt. Nur die französische PSA mit ihren Marken Peugeot (serienmäßig) und Citroën liefert seit drei Jahren Fahrzeuge damit aus. Die Zahl der Anbieter der Filtersysteme ist deshalb noch gering – lediglich der US-Zulieferer Tenneco und die französische Firma Faurecia können große Stückzahlen produzieren. Und das Herzstück der Filter – die Wabenkörper aus Siliziumkarbid, das den Ruß bindet – kommt von Ibiden DPC France, einem Joint-Venture der japanischen Ibiden mit dem französischen Zulieferer Saint-Gobain.

Doch wenn BMW im kommenden Jahr die Diesel seiner 7er- und 5er-Baureihe serienmäßig mit Filtersystemen ausstattet, Mercedes seine Limousinen bereits ab Herbst 2003 aufrüstet und auch Opel und Ford mitmachen, lockt ein lukratives Massengeschäft. Rolf Woller, Auto-Analyst der Hypo-Vereinsbank, schätzt das zusätzliche Umsatzvolumen für die Zulieferer insgesamt auf 100 bis 150 Mill. Euro pro Jahr. Ferdinand Dudenhöffer, Geschäftsführer des Prognose-Instituts B&D Forecast, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Nach seinen Berechnungen kommen auf die deutschen Hersteller Zusatzkosten von etwa 150 Mill. Euro im Jahr zu. Zur Kasse gebeten werden allerdings auch die Autokäufer: Mercedes zum Beispiel fordert für einen Filter 580 Euro. Dem Zulieferer dürfte das System nach Expertenschätzung etwa 200 Euro bringen.

Das Geschäft wollen sich die Konkurrenten nun nicht mehr entgehen lassen. Die japanische NGK sowie die deutschen Anbieter Emitec und Bosch planen nach Informationen aus Branchenkreisen, bald mit eigenen Filterkernen auf den Markt zu kommen. Ibiden, derzeit noch der einzige Hersteller der Filter-Substrate, will seine Kapazitäten im kommenden Jahr verdoppeln. Emitec, der deutsche Spezialist für Abgasreinigungssysteme, will im nächsten Frühjahr über den Aufbau eines vierten Werks in Asien entscheiden.

Die Hersteller der Abgasanlagen – etwa das US-Unternehmen Tenneco Automotive – sind nach eigenen Angaben auf eine steigende Nachfrage vorbereitet. Tenneco will dieses Jahr rund 150 000 Partikelfilter herstellen. Nach Aussage von Europachef Hari Nair rechnet der Konzern damit, dass die Produktion in den nächsten drei Jahren auf 500 000 Filter steigen wird.

Der Stuttgarter Zulieferer Eberspächer wird ab Herbst für den französischen Hersteller Renault einen Rußpartikel-Filter in Serie bauen. Die Firma hat nach eigenen Angaben auch bereits deutsche Hersteller für ihr System gewinnen können. Die Autobauer selbst schweigen sich aus darüber, von wem sie ihre Systeme beziehen.

Europas größter Autozulieferer Bosch könnte ebenfalls in großem Stil in das Geschäft einsteigen. Zur Jahreswende hatten die Stuttgarter vom Mendener Katalysatorhersteller HJS die Rechte für die Weiterentwicklung, Fertigung und den Vertrieb von Partikelfiltern aus Sintermetall erworben. Der Vorteil dieses Systems: Es muss nicht gewartet werden – im Gegensatz zu den derzeit von PSA verwendeten Siliziumkarbid-Filtern. Auch die Franzosen wollen im kommenden Jahr nach eigener Aussage wartungsfreie Filter in ihre Diesel-PKWs einbauen. Opel will ab Anfang 2004 ein solches System montieren.

In Stuttgart testen die Tüftler von Bosch derzeit ihr Konkurrenzprodukt zum PSA-Filter, heißt es. Die definitive Entscheidung werde Bosch erst auf der IAA verkünden, sagte ein Sprecher. Eine Produktion der Filter in Großserie wäre für die Stuttgarter aber erst ab Ende 2005 möglich.

Quelle: Handelsblatt

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