Boykott der Mitarbeiter
Betriebsversammlung von Opel endet vorzeitig

Die Bochumer Opelaner sind für eine deutliche Sprache und "klare Kante" bekannt. Bei der Betriebsversammlung am Samstag haben sie das Management mit einer spontanen Aktion brüskiert und den Chefs erst gar nicht zugehört.

BochumDas bekommt am Samstag auch Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke zu spüren, als er sich auf der Betriebsversammlung im Ruhrcongress nicht zur Zukunft des Opel-Werks ab dem Jahr 2017 bekennen will. Spontan brechen die rund 2.000 Opel-Beschäftigten die Veranstaltung ab und lassen das Management im Saal zurück. Das Treffen ist bereits nach etwa 90 Minuten beendet. Eine geplante Rede von Personalvorstand Holger Kimmes fällt ins Wasser.

Den Opelanern ist die Freude über diese provokante Aktion durchaus anzumerken. "Geschieht ihnen recht. Was anderes verstehen die ja nicht", sagt einer. "Das war jetzt der erste Schritt, um zu zeigen, dass wir uns nicht mehr alles gefallen lassen", sagt Dario Krockenberger, der bei Opel im Rohbau arbeitet. Ein Kollege ergänzt, dass er jetzt auf einen Streik hoffe.

Der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel nimmt den ungewöhnlichen Ausgang der Versammlung mit Stolz auf. "Wir haben zur richtigen Zeit die richtige Antwort gegeben", sagt er. Solange die Opel-Leitung die "Planspiele" zur Schließung des Bochumer Werkes nach 2016 "nicht vom Tisch" nehme, behalte man sich "kreative Aktionen" vor. Wie die aussehen könnten, dazu möchte der Betriebsratschef hier und jetzt noch keine Angaben machen. Die Botschaft an das Opel-Management laute einstweilen: "Wir sind bereit, euch zu überraschen!"

Nach Ansicht von Einenkel liegt der Ball nun bei der Geschäftsführung, die die Planungen noch einmal überdenken sollte. Ziel müsse eine Standortgarantie für das Werk über 2016 hinaus sein. Das Bochumer Opel-Werk habe die "höchste Auslastung aller Werke", betont Einenkel. Man fahre "volle Dreischichtigkeit" bei der Produktion und lasse in diesem Jahr rund 140.000 Fahrzeuge vom Band laufen.

Neben der drohenden Schließung treibt die Arbeiter aber auch die Vereinbarung um, für die Sanierung des angeschlagenen Autoherstellers vorübergehend auf die Tariferhöhung von 4,3 Prozent zu verzichten. "Die Leute sind enttäuscht. Sie haben immer wieder auf Geld verzichtet, die Arbeit wurde immer mehr - und nun sollen sie die Lohnerhöhung aussetzen", kritisiert Vertrauensfrau und Ersatzbetriebsrätin Astrid Etzrodt. Jürgen Stein aus der Lackiererei fühlt sich vor allem von der Opel-Mutter General Motors (GM) hinters Licht geführt. "Die Glaubwürdigkeit von GM ist dahin. Die haben doch schon genug Geld, verlangen von uns aber einen Lohnverzicht."

Zumindest in der Bevölkerung gibt es weiter viel Unterstützung für die Opelaner. So finden sich vor der Betriebsversammlung auch Angehörige und andere Bochumer, die ihre Solidarität zeigen möchten. Jeder, der will, kann seine Gedanken, Sorgen oder Kritik in ein Mikrofon sprechen. Über den Köpfen der Teilnehmer hängen große Banner: "Nein zum Tod auf Raten - Kampf um jeden Arbeitsplatz" oder "45.000 Jobs in NRW - Wir bleiben!" steht darauf.

Wenn Opel in Bochum stirbt, dann hat das auch große Auswirkungen auf die Region, sind sich die Beteiligten sicher. "Die Stadt Bochum kann sich eine solche Schließung nicht leisten", meint Dario Krockenberger. Es sei schön, zu sehen, dass die Probleme der Opelaner die Bevölkerung nicht kalt lassen: "Wir haben gemerkt, dass wir nicht allein stehen."

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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