"Boykott ohne Chancen"
Frist für AEG-Werk läuft später ab

Offenbar müssen die Beschäftigten des Nürnberger AEG-Hausgerätewerks noch länger in Ungewissheit leben. Die Geschäftsleitung des schwedischen Elektrolux-Konzerns soll dem Nürnberger Betriebsratsvorsitzenden Harald Dix zufolge am Donnerstag in Frankfurt angedeutet haben, die Entscheidung über eine Schließung könnte sich über den 24. Oktober hinaus verzögern. Der Nürnberger Standort werde derzeit noch „intensiv überprüft“.

HB NÜRNBERG. Am 24. Oktober tagt der Electrolux-Aufsichtsrat. Bislang wurde erwartet, dass dort eine Entscheidung über die Zukunft des Nürnberger Werks mit 1750 Beschäftigten fällt. Die Arbeitnehmer hatten am Mittwoch mit einem 24-stündigen Warnstreik gegen die Schließungspläne protestiert. Mit der Frühschicht am Donnerstag wurde die Produktion wieder aufgenommen. Dix bekräftigte, dass die Beschäftigten das Werk bei einem Schließungsbeschluss für längere Zeit blockieren wollten.

Ein von der IG Metall ebenfalls geplanter Boykottaufruf gegen den Electrolux-Konzern im Fall einer Schließung ist nach Ansicht des GfK- Marketingexperten Wolfgang Twardawa chancenlos. „Das ist eine Drohgebärde, es wird nicht funktionieren“, sagte Twardawa in einem dpa-Gespräch. In Deutschland gebe es keinen ausgeprägten „Konsumpatriotismus“. Beim Kauf werde vor allem auf den Preis geschaut. „Die AEG ist auch deswegen in der Krise, weil die Leute nicht bereit sind, etwas mehr zu zahlen“, sagte der Marketingleiter des Marktforschungsunternehmens GfK.

Anstatt Produkte aus einheimischer Fertigung zu kaufen, entschieden sich die deutschen Verbraucher meist für das billigere Angebot aus dem Ausland. „Sie jammern über die Gefährdung ihrer Arbeitsplätze und fahren japanische Autos.“ Eine „Solidarität der Verbraucher“ sei nur sehr schwer herzustellen, da letztlich jedem der eigene Geldbeutel wichtiger sei.

Im Fall AEG wird ein Boykottaufruf nach Twardawas Ansicht auch deshalb wirkungslos bleiben, weil es dabei um den Kauf langlebiger Gebrauchsgüter wie Waschmaschinen und Geschirrspüler geht. Nur ein sehr geringer Anteil der Bevölkerung stehe derzeit überhaupt vor einer entsprechenden Kaufentscheidung.

Der Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) warf der IG Metall am Donnerstag vor, für die Entwicklung bei AEG verantwortlich zu sein. Vor einem Jahr sei über einen Tarifvertrag verhandelt worden, bei dem gegen Zugeständnisse der Arbeitnehmer eine Beschäftigungsgarantie zugesagt worden wäre. „Obwohl die IG Metall von der prekären Kostenlage bei AEG wusste, hat sie sich nicht bewegt und die Gespräche abgesagt“, sagte VBM-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

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