BP plant ein kohlendioxidfreies Kraftwerk
Klimaschutz unter dem Meeresspiegel

Zwei Buchstaben und eine Ziffer stehen für ein Projekt, mit dem Klimaschützer große Hoffnungen verbinden: DF 1. Dahinter verbirgt sich ein Kraftwerk der Zukunft. Es erzeugt mit fossilen Brennstoffen Strom, stößt aber keine Treibhausgase aus.

LONDON. Der britische Energiekonzern BP will es mit Partnern an der schottischen Küste nahe Aberdeen bauen. „Alle dafür nötigen Technologien sind vorhanden“, sagt Iain Wright, Klimaschutz-Experte des Ölkonzerns, „wir müssen sie nur zusammenbringen.“

Und das geht so: Erdgas aus Nordseefeldern strömt durch eine Anlage, in der es in Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff aufgespalten wird. Das angeschlossene Kraftwerk erzeugt mit dem Wasserstoff sauberen Strom für 250 000 Haushalte, und das CO2 wird durch eine Pipeline 240 Kilometer weit zum Miller-Ölfeld in der Nordsee gepumpt. Hier wird es tief unter die Erdoberfläche in das weitgehend ausgebeutete Öl-Reservoir gedrückt.

Das hat zwei Folgen: Zum einen verschwindet so viel CO2 in vier Kilometern Tiefe, als ob 300 000 Autos stillgelegt würden, und zum anderen schiebt das Treibhausgas 40 Millionen Barrel Öl aus dem Reservoir, die sonst unerreichbar gewesen wären. Das Endergebnis heißt „DF“ oder „decarbonised fuel“. Diese Energiequelle erzeugt Strom, aber mit 90 Prozent weniger CO2-Ausstoß.

20 Mill. Dollar investiert BP zusammen mit Conoco Phillips, Shell und dem Stromversorger Scottish and Southern Energy in die Entwicklung, die Ende 2006 abgeschlossen sein soll. Der Bau der Anlage selbst wird 600 Mill. Dollar kosten und bis Ende des Jahrzehnts dauern.

„Ich mag besonders die ,1’ hinter dem DF“, sagt Jon Gibbins, Experte am Imperial College in London, „sie beinhaltet die Hoffnung, dass es nicht bei diesem einen Projekt bleiben wird.“ Allein in Großbritannien mit seinen unzähligen ausgebeuteten Öl- und Gasfeldern und stillgelegten Kohlebergwerken gebe es reichlich Möglichkeiten für ähnliche Kraftwerke. „Die Briten haben die Chance, der Welt zu zeigen, dass man den Klimawandel zu vertretbaren Kosten bekämpfen kann“, sagt Gibbins. Auch die größten Energiekonsumenten USA und China hätten viele Lagerstätten zur Verfügung. CO2-Lagerung sei für jede Art von Kraftwerk machbar, und der Effekt würde noch multipliziert, wenn ein großer Teil des Straßenverkehrs auf Stromantrieb umgestellt würde.

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