BP-Raffinerie-Explosion in Texas City
Eine Frage des Preises

BP-Chef John Browne gilt als angesehenster Ölmanager der Welt. Als die BP-Raffinerie in Taxs City explodierte und dabei 15 Menschen starben und 170 verletzt wurden, verteilte das Unternehmen über eine Milliarde an Abfindungen. Doch Brownes guter Ruf bröckelt: US-Ermittler machen seinen harten Sparkurs für das Unglück verantwortlich.

DÜSSELDORF. Wie viel kostet ein Menschenleben? Wie viel muss ein Ölkonzern zahlen, wenn er in seiner Raffinerie jahrelang die Wartungsarbeiten schleifen lässt? Wenn die Rohre bedrohlich dünn werden, die Ventile nicht schließen, die Alarmgeräte nicht anschlagen? Wenn die Belegschaft ungehört das Management vor einer Katastrophe warnt?

Die Antwort: Mehrere Millionen Dollar wird BP ein Menschenleben kosten. Insgesamt 1,6 Milliarden Dollar hat der Konzern zurückgelegt – für die knapp 200 Opfer von Texas City. Am 23. März 2005 kam es in der weltweit größten Raffinerie der Briten zu einer gewaltigen Explosion. 15 Menschen starben, 170 wurden verletzt. Es war der größte Arbeitsunfall in den USA seit 15 Jahren.

In Texas City, einer Kleinstadt, 60 Kilometer südöstlich von Houston, herrscht seither der Ausnahmezustand. Bürger wundern sich über ihre Nachbarn, die plötzlich Juwelen tragen und Luxuskarossen fahren. Jeder, der irgendeinen Ansatzpunkt sah, verklagte BP auf Schadensersatz. Anwälte berichten begeistert, sie hätten noch nie einen Konzern so schnell und so großzügig handeln sehen. In dieser Geschichte um Tod, Schlamperei und ein Manager-Vermächtnis gilt: Alles ist eine Frage des Preises.

Zuletzt knickte Eva Rowe ein. Die 22-Jährige, die beide Eltern bei dem Unglück verlor, schwor noch vor wenigen Tagen, sie werde kein Geld annehmen und den Konzern zur Rechenschaft ziehen. Alles deutete auf ein öffentliches Debakel für BP hin. Die Geschworenen saßen schon auf ihren Plätzen, der Richter wartete. Dann, am Donnerstag, hieß es plötzlich: Wir haben uns geeinigt. Wie hoch der Preis von Eva Rowe ist, blieb im Dunkeln. 32 Millionen Dollar zahlt BP nun an Schulen und Krankenhäuser, die Rowe benannt hat.

BP hat damit ein wichtiges Zwischenziel erreicht: John Browne, der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, muss nicht vor Gericht auftreten.

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