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BP vs. US-Regierung: Gericht gibt grünes Licht für Milliarden-Vergleich

In der Aufarbeitung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gibt es grünes Licht für einen Milliarden-Vergleich. Doch ein Aufwachen aus dem juristischen Albtraum gibt es weder für den Konzern noch für seine Manager.

Weder für die Region noch für den Konzern ist die „Deepwater Horizon“-Katastrophe beendet. Quelle: dapd
Weder für die Region noch für den Konzern ist die „Deepwater Horizon“-Katastrophe beendet. Quelle: dapd

WashingtonEin US-Bundesgericht in New Orleans hat die Rekordstrafe gegen den britischen britischen Ölkonzern BP wegen der Ölpest im Golf von Mexiko durchgewunken. Der Konzern muss der US-Regierung demzufolge insgesamt 4,5 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) zahlen. Die rechtlichen Probleme in den USA sind für das Unternehmen damit aber noch lange nicht gelöst.

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„BP erkennt seine Rolle bei der Tragödie an, und wir entschuldigen uns“, erklärte der US-Vizechef des Konzerns, Luke Keller. Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war am 20. April 2010 explodiert. Bei dem Unglück starben elf Arbeiter, hunderte Millionen Liter Erdöl strömten ins Meer. Es dauerte 87 Tage, bis BP das Leck schließen konnte. Die Küsten von fünf US-Bundesstaaten wurden verseucht, der Fischfang und der Tourismus massiv geschädigt.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

  • Die größte Umweltkatastrophe der USA

    Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

  • Fatales Öl-Leck

    Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

  • Verheerende Folgen

    Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

  • Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

    Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

  • Tiefsee-Plattform

    Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

  • Größer als ein Fußballfeld

    Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

BP hatte sich vergangenen November in 14 Anklagepunkten schuldig erklärt, darunter Totschlag. Der Konzern räumte auch Verstöße gegen Umweltschutzgesetze und Falschaussagen vor dem Kongress ein. Die Strafe beinhaltet Zahlungen in Höhe von vier Milliarden Dollar an das US-Justizministerium. Weitere 525 Millionen Dollar muss BP an die Börsenaufsicht SEC zahlen. Mit dem Vergleich stellt die US-Justiz das Strafverfahren gegen das Unternehmen ein.

Nach der Ölpest Chronik einer Katastrophe

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Der komplexe Rechtsstreit um die Ölpest ist damit aber noch nicht beendet. Die US-Justiz klagte zwei BP-Verantwortliche an, die in leitender Funktion auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Einsatz waren. Beide müssen sich unter anderem wegen Totschlags verantworten. Angeklagt wurde auch ein früherer BP-Manager, der gegenüber Ermittlern und dem Kongress Falschaussagen über das Ausmaß der Katastrophe gemacht haben soll.

BP

Im Dezember hatte die US-Justiz ein milliardenschweres Entschädigungsangebot von BP an Betroffene der Ölkatastrophe 2010 genehmigt. Die Briten sollen Privatleuten und Unternehmen, die durch die Ölpest Schäden und Einbußen erlitten hatten, 7,8 Milliarden Dollar zahlen. Auf den Konzern kommen aber noch weitere zivile Schadensersatzforderungen zu. Am 25. Februar beginnt in New Orleans ein Prozess, in dem die restlichen Zivilklagen zusammengefasst werden. BP wiederum hat seine Partnerunternehmen Transocean und Halliburton verklagt.

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