BP-Zahlen
Zu viel Öl

Der Preiskampf auf dem Ölmarkt setzt den Energiekonzernen zu. Shell enttäuscht die Erwartungen, Exxon und nun auch BP melden Gewinneinbußen. Etappensieg für die OPEC: Die ersten Schieferöl-Projekte werden abgesagt.
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Düsseldorf Es ist ein Machtkampf, der Wirkung zeigt. Seitdem die USA die Welt mit Öl aus unkonventionellen Quellen schwemmen, fällt der Ölpreis immer tiefer. Zuletzt auf knapp 55 Dollar – im Sommer kostete ein Barrel Brent noch mehr als 110 Dollar. Und die OPEC denkt nicht daran, ihre Fördermengen zurückzufahren, um den wieder in profitablere Höhen zu lenken.

Nun bekommen die Ölkonzerne die Quittung. Vergangene Woche lagen die Zahlen von Royal Dutch Shell unter den Erwartungen, Conoco-Philipps gab gar Verluste bekannte, gestern meldete mit Exxon das größte börsennotierte Ölunternehmen einen Gewinneinbruch um 21 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Dollar. Heute nun enttäuschten auch die Zahlen des Konkurrenten BP. Im abgelaufenen vierten Quartal hat der Ölkonzern nur noch 2,2 Milliarden Dollar verdient im Vergleich zu 2,8 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Der Gewinn im gesamten Geschäftsjahr fiel von 13,4 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 12,1 Milliarden Euro im Jahr 2014.
„Wie sind in eine heraufordernde Phase von niedrigen Ölpreisen eingetreten“, sagte Konzernchef Bob Dudley. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, BP neu zu aufzustellen und gleichzeitig sichere Bereiche aufrecht zu erhalten.“
Bereits Ende Januar hatte sich Dudley gegenüber dem Nachrichtensender BBC pessimistisch über die Ölpreisentwicklung geäußert. „Wir müssen damit planen, dass der Preis unten ist, wir wissen zwar nicht genau, auf welchem Level, aber sicherlich für ein Jahr, ich denke, es ist wahrscheinlich, dass wir zwei oder drei Jahre so planen müssen.“
Nicht nur BP stellt sich auf eine längere Durststrecke ein.
Dass die goldenen Zeiten erstmal vorbei zu sein scheinen, zeigen auch die zahlreichen Entlassungen und Investitionskürzungen. So will der US-Ölkonzern Chevron 13 Prozent weniger investieren, der französische Konkurrent Total gibt sogar 30 Prozent weniger aus. Auch den Belegschaften geht es an den Kragen. Mitte Januar kündigte BP an, mehr als 400 Stellen in der Förderung von Öl in der Nordsee zu streichen. Auch BP will in diesem Jahr weniger Geld in die Exploration von Ölfeldern stecken. Statt der angepeilten 24 bis 26 Milliarden Dollar sollten 2015 rund 20 Milliarden Dollar (17,6 Milliarden Euro) investiert werden, teilte das Unternehmen mit.
Die OPEC-Staaten leiden unter dem niedrigen Ölpreis. Trotzdem haben sie mit ihrer Strategie, die US-Frackingindustrie am langen Arm verhungern zu lassen, offenbar Erfolg. Hintergrund: Bei einem niedrigen Ölpreis lohnt sich die teure Fördermethode nicht mehr. Nach jüngsten Zahlen des Öldienstleisters Baker Hughes sind die Ölbohrungen in den vergangenen acht Wochen auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gesunken. Im Vergleich zu den Förderprojekten auf dem Höhepunkt des US-Ölbooms im Oktober 2014 sei das ein Minus von 24 Prozent.
Vor allem betroffen: Bohrungen zur Gewinnung von Schieferöl. Sie seien die zehnte Woche in Folge zurückgegangen um 61 auf 1168 Bohrungen. Auch große Unternehmen wie Total und BP sagen inzwischen Schieferöl-Projekte ab, erste Frackingfirmen haben bereits pleite gemacht. Ein Etappensieg für die OPEC.
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " BP-Zahlen: Zu viel Öl"

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  • oh.....der viel beschworene Fachkräftemangel seitens der Industrie und den Handwerkskammern....bei denen ist Industrie 4.0 noch nicht angekommen....verpennt!

  • Ein prima Beispiel für einen funktionierenden Markt. Jetzt jammern die Ölkonzerne (obwolh das bei über 2 Mrd. Gewinn nicht nötig wäre) bei relativ "niedrigem" Ölpreis. Bei steigendem Ölpreis haben sie kräftig zuglangt ohne jegliche Scham.

  • »Zwei Dinge in dieser Welt scheinen mir grenzenlos, das Universum und die menschliche Dummheit, wobei ich mir bei Letzterem nicht sicher bin.«

    Albert Einstein

    Da träumen sie von riesigen Wirtschaftszonen und sind unfähig für Frieden durch Handel, statt dessen nutzen sie wertvolle Ressourcen um sich gegenseitig tot zu schiessen. Aber das liegt wohl in der Natur des Menschen – siehe oben.

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