Branche erwartet nach der Tiefdruck-Fusion von Bertelsmann und Springer neue Übernahmen
Konzentration im europäischen Tiefdruck geht weiter

Mit der in der vergangenen Woche besiegelten Fusion der Tiefdruckereien zwischen den beiden Bertelsmann-Töchtern Arvato und Gruner + Jahr („Stern“, „Brigitte“) sowie dem Printkonzern Springer („Bild“, „Hörzu“) kommt die Branche in Europa in Bewegung.

DÜSSELDORF. „Das wird nicht der letzten Zusammenschluss sein,“ prognostizierte James Siever, Generalsekretär der European Rotogravure Association (ERA), am Rande der Drupa, der weltgrößten Fachmesse der Druckindustrie, in Düsseldorf. In der ERA sind 130 Tiefdruckunternehmen weltweit organisiert. „Die Konsolidierung wird weiter gehen. Denn durch Zusammenschlüsse erhöht sich die Schlagkraft“, sagte Siever.

In der Branche wurde in der Vergangenheit darüber spekuliert, ob Zeitschriftenhäuser wie der Verlagsgruppe Heinrich Bauer (“Bravo“, „Praline“) oder Burda (“Focus“, „Bunte“) ihre Tiefdruckereien verkaufen würden. „Wir investieren zur Zeit in den Standort Offenburg. Ein Verkauf steht überhaupt nicht zur Debatte“, sagte hingegen ein Burda-Sprecher gestern. Der Zeitschriftenkonzern sieht den Druckbereich als wichtigen Bestandteil des Geschäfts. Bauer war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Preise im europäischen Tiefdruckmarkt stehen durch die preiswerte Konkurrenz aus Osteuropa unter Druck. Derzeit wird in Moskau mit russischem Kapital eine neue Tiefdruckerei errichtet. Aber auch der schwache Werbemarkt und der wachsende Kostendruck machen der renditeschwachen Branche zu schaffen. Nach Informationen von Insidern liegen die Umsatzrenditen der 25 größten Tiefdruckkonzerne in Europa im einstelligen Bereich. Durch eine fortschreitende Konsolidierung – ähnlich wie in den USA – wären künftig auch wieder zweistellige Umsatzrenditen möglich. Der US-Markt wird im Gegensatz zu Europa lediglich von drei großen Druckkonzernen beherrscht. Die europäische Tiefdruckbranche erzielt nach ERA-Angaben mit 20 000 Beschäftigen im Jahr mehr als 8 Mrd. Euro Umsatz. Davon würden auf Deutschland – dem Weltmarktführer im Tiefdruck – rund 55 % entfallen.

Mit der angestrebte Fusion der Tiefdruckereien in Darmstadt, Ahrensburg, Itzehoe, Nürnberg und Dresden baut Bertelsmann seine bisherige Marktführerschaft in Europa weiter aus. Der Zusammenschluss mit den Springer-Druckereien muss allerdings von der EU-Kommission noch kartellrechtlich geprüft werden. „Der Markt hat sich so stabilisiert, dass ich keine kartellrechtlichen Probleme erwarte“, sagte ERA-Generalsekretär Siever. Wie es aus Gruner + Jahr-Kreisen bereits am Wochenende hieß, soll der neue Konzern frei und selbstständig am Markt operieren, heißt es. Damit solle sichergestellt werden, dass das Unternehmen unabhängig von Bertelsmann- und Springer-Interessen handelt.

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