Branche rechnet trotz Konsumflaute mit Wachstum
Sportkonzern Adidas greift auf dem Outdoor-Markt an

Die Adidas-Salomon AG hat den Outdoor-Markt wieder entdeckt. „Das ist ein interessantes Geschäft mit einem stetigen Wachstum“, sagte gestern der für den Bereich zuständige Adidas-Manager Stephan Guter. Der zweitgrößte Sportkonzern der Welt werde sein Outdoor-Angebot deshalb deutlich ausbauen und in die Vermarktung investieren.

HB FRIEDRICHSHAFEN.In den vergangenen Jahren hatten die Franken das lukrative Segment weitgehend spezialisierten Mittelständlern überlassen. Bis 2010 sollen die Outdoor-Umsätze nun vervierfacht werden.

Um ein Zeichen zu setzen, dass Adidas das Geschäft mit Wanderschuhen und Regenjacken wieder forciert, nehmen die Herzogenauracher in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1997 wieder an der Outdoor-Messe in Friedrichshafen teil, der größten Schau der Branche in Europa. „Wir wollen dem Handel zeigen, dass wir wieder da sind“, unterstrich ein Adidas-Sprecher. Die Ausstellung begann gestern.

Dass Adidas gerade jetzt ins Outdoor-Geschäft investiert, hat noch einen weiteren Grund: Im Herbst wird das Unternehmen seine auf Wintersport und Outdoor spezialisierte Tochter Salomon an den finnischen Amer-Konzern abgeben. Somit fällt ein Teil der bisherigen Outdoor-Umsätze weg.

Hinzu kommt, dass die Branche ausgesprochen attraktiv ist. Vergangenes Jahr kletterten die Umsätze in Europa nach Angaben des Branchenverbands EOG um rund zwei Prozent auf mehr als fünf Mrd. Euro. Jeder fünfte Euro auf dem Sportartikelmarkt wird inzwischen mit Outdoor-Produkten erwirtschaftet. Die Tendenz ist weiter steigend: „Der Markt wird dieses Jahr trotz der Wirtschaftsflaute mit rund drei Prozent wachsen“, sagte Albrecht von Dewitz, Chef des schwäbischen Bergsportspezialisten Vaude.

Für Adidas ist Outdoor zwar nichts Neues. Schon seit 1991 gibt es einen solchen Geschäftsbereich. In den vergangenen Jahren setzte die Firma jedoch andere Prioritäten. Nun baut der Konzern die Kollektion aus, stellt neue Leute ein, investiert in Marketing-Kampagnen und geht wieder auf Messen. Wie viel das Unternehmen zuletzt in diesem Feld umsetzte, wollte ein Konzernsprecher jedoch nicht sagen. Allerdings seien die Einnahmen aus wichtigen Sportarten wie Fußball und Laufen deutlich höher.

Die Branche wird traditionell von Mittelständlern dominiert. Auch Adidas-Rivale Nike, der größte Sportanbieter der Welt, spielt im Outdoor-Bereich mit seiner Marke ACG nur eine Nebenrolle. Die Spezialisten nehmen den Angriff von Adidas dennoch ernst. „Der Konzern wird sich sicherlich seinen Anteil erobern“, sagte Karl-Heinz Maurer vom Outdoor-Anbieter Salewa. Firmen wie Salewa hätten jedoch in diesem Bereich einen guten Namen. Adidas fehle noch die Glaubwürdigkeit. Adidas selbst zielt denn auch nicht auf Bergsteiger oder Kletterer, sondern auf die Masse der Naturbegeisterten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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