Branchen im Wachstumscheck
CO2-Debatte eröffnet Zulieferern Chancen

Deutsche Automobilhersteller haben beim Thema Technologie einiges nachzuholen. Um Marktführer Toyota den Rang abzulaufen, sind die Hersteller mehr denn je auf das Know-How der Zulieferer angewiesen. Diese hoffen vor allem bei der CO2-Debatte auf neue Milliardengeschäfte. Immerhin kommt mit Bosch der weltgrößte Zulieferer aus Deutschland.

STUTTGART. Den deutschen Autoherstellern macht die Erfolgsgeschichte von Toyota bisher einen Strich durch die Rechnung. Doch die deutschen Zulieferer haben es geschafft. Waren noch vor wenigen Jahren die großen Hoflieferanten der US-Autoindustrie wie Delphi oder Visteon das Maß aller Dinge in der Zulieferindustrie, so hat sich das Blatt grundlegend gedreht. Mit Bosch kommt heute der weltgrößte Autozulieferer aus Stuttgart. Und mit der Übernahme von Siemens VDO hat sich Continental sogar auf Rang zwei vorgeschoben. Nur noch der japanische Zulieferer Denso kann mit hohen Wachstumsraten Paroli bieten. Auch ZF Friedrichshafen hält sich wacker unter den Top Ten. Die deutschen Unternehmen sind weiter auf dem Vormarsch und wachsen deutlich stärker als der Markt.

Vor allem angesichts der CO2-Debatte hoffen deutsche Zulieferer auf neue Milliardengeschäfte. Denn die Sparziele beim Kraftstoffverbrauch lassen sich bei Mercedes, VW und BMW nur mit neuer Technik von Unternehmen wie Bosch, ZF und Mahle erreichen. „Gerade jetzt bieten neue gesetzliche Anforderungen bei Abgasemissionen und Kraftstoffverbrauch sowie das vermehrte Streben der Autohersteller nach technologie- und innovationsbasierter Differenzierung und die sich rasch entwickelnden Niedrigkosten-Automobilmärkte substantielles Wachstumspotential“, sagt Martin Haubensak, Partner bei A.T. Kearney.

Weil die Autohersteller die Hybridentwicklung verschlafen haben, versuchen sie nun intensiv, den Rückstand aufzuholen. Die deutschen Konzerne müssen ihr Image als Technologieführer von Toyota zurückerobern. Und das geht nur mit Hilfe der starken Zulieferer. Für die mitunter sehr technikaffinen deutschen Systemlieferanten zahlt es sich jetzt aus, dass die Produktpipeline prall gefüllt ist. Dennoch bleibt es eine Gratwanderung. „Wir müssen gemeinsam mit unseren Kunden darauf achten, dass die Anschaffungskosten für die Autofahrer erschwinglich bleiben“, sagt Franz Fehrenbach, Chef von Bosch mit Blick auf die deutlichen Mehrkosten beispielsweise für einen Hybrid-Antrieb.

Fehrenbachs diplomatische Formulierung hat seine Gründe. Jahrelang konnten sich von den Zulieferern fertig entwickelte Systeme nicht durchsetzen. Die Start-Stop-Automatik, die das Auto automatisch an der Ampel ausstellt und beim Gasgeben wieder startet, wäre schon vor Jahren einsatzbereit gewesen. Aber die deutschen Hersteller zögerten lange. Selbst Zulieferer wie Weltmarktführer Bosch, der es immerhin geschafft hat bei Einspritzsystemen eine marktbeherrschende Stellung zu erobern, können letztendlich nur so weit springen, wie es die Hersteller zulassen. Deshalb sind bei den Systemlieferanten enge Kontakte mit den Entwicklungsabteilungen der Hersteller der Schlüssel zum Erfolg.

Das zeigt auch die Malaise der Branche. Gut halten können sich die Großen, die maßgebliche Neuerungen in die Fahrzeuge liefern. Zulieferer von austauschbaren Teilen dagegen bekommen die volle Härte des Wettbewerbs zu spüren. Fünf Prozent Produktivitätsfortschritt wollen die Hersteller erreichen. „Hohe Abhängigkeiten von wenigen Autoherstellern und professionelles Einkaufsverhalten der Kunden schränkt nach Einschätzung der Experten von A.T. Kearney das Wachstum vieler Zulieferer stark ein. Dazu kommt ein hoher Kostendruck und neuer Wettbewerb durch Low-Cost-Anbieter.

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