Branchenprimus Arcelor kalkuliert mit einem Aufschlag von 20 Prozent
Stahlhersteller wollen Preise für Autobleche kräftig erhöhen

Auf die größten Kunden der Stahlhersteller rollt eine Kostenlawine zu. Branchenprimus Arcelor mit Sitz in Luxemburg beabsichtigt, bei den Verhandlungen über neue Jahresverträge Preiserhöhungen von 20 Prozent durchzusetzen.

mjh DÜSSELDORF. Betroffen davon wären die Automobilindustrie, die Hausgerätehersteller und die Verpackungsindustrie, die mit Arcelor Lieferverträge mit einer Laufzeit von einem Jahr oder länger geschlossen haben. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die beiden größten deutschen Stahlhersteller, ThyssenKrupp und Salzgitter, dem Beispiel Arcelors folgen und ebenfalls versuchen werden, zweistellige Preiserhöhungen gegenüber ihres Jahresvertragskunden durchzusetzen.

Besonders für die Automobilhersteller kommt dieser Kostenschub zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da sie schon jetzt unter einem schleppenden Absatz und einem harten Preiswettbewerb leiden. Die Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) haben errechnet, dass vor allem höhere Stahlpreise die Ertragskraft der deutschen Autohersteller signifikant belasten. Für VW beispielsweise prognostizieren die CSFB-Analysten im günstigsten Fall ein um zwölf Prozent niedrigeres Ergebnis für 2005.

Mit den Preiserhöhungen will Arcelor bereits eingetretene und künftige Kostensteigerungen bei Vormaterialien wie etwa Eisenerz und Koks ausgleichen, sagte Konzernchef Guy Dollé. Der Preis für Stahlschrott hat im August mit 260 bis 270 Euro pro Tonne ein neues Rekordhoch markiert. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, „glaubt nicht, dass sich die Lage kurzfristig entspannt“.

„Die durch den Stahlhunger Chinas ausgelöste Rohstoffknappheit begrenzt das Stahlangebot und erleichtert den Herstellern Preiserhöhungen“, sagt Analyst Hermann Reith von ING BHF-Bank. Tatsächlich sind die Tagespreise für Stahl seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent gestiegen. Darunter leiden besonders die Bauindustrie und die Unternehmen aus der Stahlverarbeitung. Für Oktober haben die Hersteller eine weitere Preisrunde angekündigt. 2005 sind nun erstmals auch die Jahresvertragskunden von höheren Stahlpreisen betroffen.

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