Branchenreaktionen auf die Große Koalition Warum die Autobosse und die Finanzbranche mit dem Koalitionsvertrag zufrieden sind

Der Koalitionsvertrag bewegt die Wirtschaft: Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall übt harsche Kritik, Autoindustrie und Finanzbranche sind zufrieden.
Update: 07.02.2018 - 16:17 Uhr 1 Kommentar
Koalitionsvertrag: Branchenreaktionen auf die GroKo Quelle: dpa
Große Koalition in der Kritik

Das Bündnis von SPD (Martin Schulz, links), CDU (Angela Merkel) und CSU (Horst Seehofer) stößt in der Wirtschaft auf unterschiedliches Echo.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist ausgehandelt. Die Große Koalition soll kommen. Die Reaktionen auf das Vertragswerk fallen allerdings höchst unterschiedlich aus. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall lässt seiner Enttäuschung über den Koalitionsvertrag freien Lauf.  „Der […] ausgehandelte Koalitionsvertrag ist kein Dokument des Aufbruchs, sondern eine Dokumentation des Scheiterns“, sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Die vereinbarten Inhalte seien „noch scheußlicher als erwartet“.

Man begrüße zwar die Investitionen und Bildung und Infrastruktur. Doch die negativen Inhalte würden bei weitem überwiegen. „Die Vereinbarung enthält sozialpolitische Versprechen, die zu weiten Teilen von Facharbeitern, Steuerzahlern und Leistungsträgern aus der Mitte der Gesellschaft erbracht werden müssen“. Das Geld der Bürger und Unternehmen werde „mit vollen Händen ausgegeben“.

Mit der vereinbaren Rentenpolitik marschiere die Große Koalition „zielsicher in die Einheitsrente“. Darüber hinaus schwäche der Koalitionsvertrag die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Wirtschaft, unter anderem durch die Wiedereinführung der paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung. „Statt Europa wettbewerbsfähiger zu gestalten, soll nun der Schwenk zu einem Sozialstaatseuropa erfolgen, finanziert durch den deutschen Steuerzahler“, so Zander.

„Halbherzig, lustlos, uninspiriert“

Für Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA), geht der Koalitionsvertrag dagegen nicht weit genug: „Während andere Regionen der Welt einen klaren Innovationskurs verfolgen, droht uns mit der GroKo Dienst nach Vorschrift. Das ist alles andere als der große Wurf, den wir brauchen!“

Zwar erkenne die VDMA die Bemühungen um verbesserte Rahmenbedingungen für den industriellen Mittelstand an, aber zu vieles wirke unentschlossen, heißt es in der Pressemitteilung. Brodtmann ist sich sicher: „Der politische Aufbruch in digitale Zeitalter wird von dieser Koalition nicht ausgehen.“ Dem VDMA fehlt die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung.

Die Familienunternehmen sind mit dem Ergebnis ebenfalls unzufrieden. „Im Koalitionsvertrag sind wenig Weichenstellungen und zukunftsweisende Projekte zu finden, obwohl zig Milliarden Euro einfach nur umverteilt werden, ohne Strukturen zu verbessern“, erklärte Reinhold von Eben-Worleé, Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“. „Das Ganze wirkt, als hätte sich die Union dazu entschlossen, aus dem Kanzleramt heraus eine SPD-Regierung zu tolerieren.“

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1 Kommentar zu "Branchenreaktionen auf die Große Koalition: Warum die Autobosse und die Finanzbranche mit dem Koalitionsvertrag zufrieden sind"

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  • DIE THESEN STIMMEN UND SIND GUT NACHVOLLZIEHBAR

    „Statt Europa wettbewerbsfähiger zu gestalten, soll nun der Schwenk zu einem Sozialstaatseuropa erfolgen, finanziert durch den deutschen Steuerzahler“

    „Das Ganze wirkt, als hätte sich die Union dazu entschlossen, aus dem Kanzleramt heraus eine SPD-Regierung zu tolerieren.“

    „Schieflage in Richtung Umverteilung anstatt in Zukunftssicherung“

    „Auf pures Unverständnis stoße aber das Festhalten an einem ausgeglichenen Haushalt."

    SO SIEHT DAS ARME DEUTSCHLAND AUS

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