Branchenstudie
Deutschland macht US-Firmen Angst

Egal ob Ford, Burger King oder Philip Morris - Deutschland zählt für US-Unternehmen zu den wichtigsten Märkten weltweit. Nur: Bereits nach der Bundestagswahl sieht die US-Handelskammer schwere Zeiten auf die Firmen der Landsleute zukommen - und hat deswegen nun einen 10-Punkte-Erfolgsplan für Deutschland vorgestellt.

FRANKFURT. Deutschland bleibt für amerikanische Konzerne weltweit einer der wichtigsten Märkte. Schon nach der Bundestagswahl dürften die Zeiten allerdings schwieriger werden. Das erwartet die Amerikanische Handelskammer in Deutschland, AmCham. Mit rund 3 000 Mitgliedern ist sie die größte bilaterale Wirtschaftsvereinigung in Europa.

"Viele Firmen haben von der Abwrackprämie sehr stark profitiert", sagte AmCham-Präsident Fred Irwin gestern in Frankfurt. Das Auslaufen der Konjunkturprogramme und vieler Zeitarbeitskonten werde aber schon sehr bald negative Zahlen nicht verhindern können. Das gelte vor allem für den Arbeitsmarkt. Denn während die Erträge der US-Unternehmen in Deutschland, die AmCham repräsentiert, seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise empfindlich einbrechen, halten die Firmen an ihren Beschäftigten bislang noch fest. Grund dafür sind Zeitarbeitskonten, Kurzarbeit und die Einschätzung, Fachkräfte bei einem Aufschwung nur schwer zu finden.

So sanken die Umsätze der 50 größten amerikanischen Firmen in Deutschland im abgelaufenen Geschäftsjahr um knapp sechs Prozent. Die Zahl der Beschäftigten blieb dagegen stabil. Die zehn nach Beschäftigung größten Firmen stockten die Zahl ihrer Mitarbeiter sogar um drei Prozent auf. Deutlich mehr arbeiteten bei den Fast-Food-Ketten McDonalds und Burger King sowie dem angeschlagenen Automobilhersteller Opel. Hier stieg die Zahl der Beschäftigten von 23 500 auf 25 103. Ursache waren unter anderem neue Modellreihen und der Einsatz von Leih- und Zeitarbeitern. Insgesamt beschäftigen alle US-Firmen in Deutschland 800 000 Mitarbeiter, allein die zehn Größten mehr als 200 000.

Doch weil viele Zeitarbeitskonten aufgebraucht sind und die Unternehmen die Kurzarbeit im bisherigen Umfang nicht fortsetzen werden, rechnet die Handelskammer mit weniger Beschäftigten schon Ende dieses Jahres. "Wie in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, darüber war im Wahlkampf wenig zu hören", kritisiert AmCham-Vizepräsident Otmar Debald.

Die Handelskammer entwickelte ein Zehn-Punkte-Erfolgsprogramm für den Standort Deutschland, damit Deutschland sich in zehn Jahren als erfolgreichste Volkswirtschaft Europas präsentieren kann. Darin heißt es: "An Deutschland kommt im Jahr 2020 kein internationales Unternehmen vorbei. Das Land ist als das unternehmerische Drehkreuz des Kontinents die erste Adresse für jeden Investor in Europa". Auf den Weg dorthin müsse Deutschland aber seine Unternehmenssteuern senken. In einer Blitzumfrage unter den 50 umsatzstärksten Unternehmen ermittelte AmCham, dass für 84 Prozent eine wachstumsfreundliche Standort- und Steuerpolitik Priorität hat. Großen Bedarf sehen die Firmen auch im Abbau der Bürokratie. Hier sieht die Handelskammer nach vier Jahren Großer Koalition keine Fortschritte.

Größtes US-Unternehmen in Deutschland bleibt wie im Vorjahr Ford. Gegen den Gesamttrend steigerte der Autobauer seinen Umsatz um 100 000 Euro auf 19,7 Mrd. Euro. Mit Blick auf das schwierige Jahr 2009 zeigte sich Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes zuletzt davon überzeugt, dass die Talsohle auf den wichtigen Märkten erreicht, aber noch nicht durchschritten sei. Das abrupte Ende der Förderprogramme in Deutschland könnte allerdings zu einem neuen Nachfrageeinbruch führen. Deshalb wünscht sich Ford Anschlussprogramme, wie sie in einigen anderen europäischen Nachbarländern bereits beschlossen wurden.

Hinter Ford folgt mit Abstand der Ölkonzern Exxon Mobil Europe (Esso). Opel büßte gegenüber dem Vorjahr 20 Prozent Umsatz ein. Insgesamt sanken die Umsätze der Top 50 um zehn Mrd. Euro auf 162 Mrd. Euro. Damit erfüllten sich die Erwartungen nicht. Noch zum Jahreswechsel 2008/09 hatte mehr als die Hälfte der Firmen steigende Umsätze für das gerade abgelaufene Jahr vorhergesagt. Das miserable vierte Quartal ließ die Hoffnungen noch zerplatzen.

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