Branchenstudie

Zulieferer sind so rentabel wie noch nie

Der Wettbewerb zwischen den Autozulieferern bleibt hart - doch insgesamt erwirtschaftet die Branche so viel Profit wie noch nie. Gewinnen werden aber am Ende nur wenige, zeigt eine neue Studie.
1 Kommentar
ZF Friedrichshafen gehört zu den großen Gewinnern des Autojahres 2014. Quelle: dpa

ZF Friedrichshafen gehört zu den großen Gewinnern des Autojahres 2014.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Zulieferbranche steht vor einem Umbruch. Die Hersteller zieht es in die asiatischen Wachstumsmärkte. Wer nicht mitgeht, verliert möglicherweise wichtige Kunden. Die Qualitätsansprüche steigen durch Baukasten-Systeme, wie Branchenriese Volkswagen sie einsetzt. Und den Margendruck geben die Hersteller weiter an ihre Zulieferer.

Und trotzdem ist die Branche im Jahr 2014 so rentabel wie noch nie, zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und Lazard. Im Schnitt kommen die Unternehmen auf eine Ebit-Marge von 7,5 Prozent und dürften damit das Ergebnis des Vorjahres noch einmal toppen. Dazu tragen vor allem wenige Gewinner bei.

Denn die Branche bleibt gespalten: Besonders gut schneiden Zulieferer von Reifen und Antriebssträngen ab, die im Schnitt ca. 2-3 Prozentpunkte mehr Marge machen als Zulieferer für den Innenraum. Auch die großen Hersteller wie ZF Friedrichshafen und Continental, denen es leichter fällt, die Nähe zu den Herstellern und ihren internationalen Werken zu suchen, verdienen deutlich besser als ihre kleineren Konkurrenten. Denen fehlen oft Finanzpolster und Mitarbeiter, um den Schritt ins Ausland mitzugehen.

Der harte Wettbewerb zwischen den Zulieferern sorgt für eine Verschiebung der Kräfte. Übernahmen von europäischen Automobilzulieferern durch Investoren aus Schwellenländern sind längst keine Seltenheit mehr. Nur mit dem Geld können technologische Investitionen in neue Antriebssysteme, Fahrassistenz und Konnektivität gestemmt werden.

Denn die Perspektive für Zulieferer, deren Produkte leicht zu ersetzen sind, sieht schlecht aus. Zukunft hat nur, wer auch Zukunftstechnologie anbieten kann. „Zulieferer mit innovativen Produkten können Margen realisieren, die im Schnitt zwei Prozentpunkte höher sind als bei prozessorientierten Lieferanten", sagt Roland Berger-Partner Marcus Berret, einer der Autoren der Studie. Viele hochprofitable Firmen konnten in den vergangenen Jahren auch ihre Finanzpolster wieder aufbessern.

Die brauchen sie auch. Denn nach Ansicht der Studienautoren dürfte es schwer werden, das Rekordjahr zu wiederholen. Die Verkäufe auf vielen wichtigen Märkten wie Europa und den USA stagnieren. Einstige Wachstumsmärkte wie Russland, Brasilien und Indien schwächeln. Einzig China kann noch ein ordentliches Wachstum vorweisen.

Das erhöht den Druck auf die Margen der Hersteller. Zuletzt hatte unter anderem Volkswagen ein milliardenschweres Sparprogramm aufgesetzt, das auch die Zulieferer empfindlich treffen wird. „Wir rechnen damit, dass die Zuliefererbranche 2015 und 2016 nicht mehr so stark wachsen wird wie in den vergangenen Jahren“, sagt Berger-Experte Felix Mogge. Mittelfristig ist allerdings nach Ansicht der Studienautoren noch genug Potential im Markt. Bis 2020, so sagen es die Unternehmensberater voraus, soll der Markt für Fahrzeugkomponenten auf rund 800 Milliarden Euro anwachsen - rund 125 Milliarden Euro mehr als heute.

Was die Hersteller pro Auto verdienen – oder verlieren
Sportlich und erfolgreich
1 von 17

Ford (Europa) – minus 891 Euro

Der US-Autobauer Ford hat in seinem Europageschäft (im Bild der Ford Fiesta ST) mit hohen Verlusten zu kämpfen. Pro verkauftem Neuwagen aus Europa machte Ford im Gesamtjahr 2013 einen Verlust von 891 Euro – so viel wie kein anderer Massenhersteller. Die Ebit-Marge (Gewinn vor Zinsen und Steuern) lag bei minus 5,8 Prozent.

Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen unter Professor Ferdinand Dudenhöffer hat untersucht, wie profitabel die Automobilkonzerne sind. Berechnet wurden dabei die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) für die reine Automobilsparte. Zulieferaktivitäten oder andere Geschäftsfelder wie Motorräder, Bank- und Immobiliengeschäfte blieben dabei unberücksichtigt.

Produktion Opel Adam
2 von 17

GM Europa (Opel, Vauxhall) – minus 607 Euro

In seinem Europageschäft hat General Motors (GM) nach wie vor Probleme: Doch die Marken Opel (im Bild der Adam) und Vauxhall laufen trotz roter Zahlen wieder deutlich besser. Im Gesamtjahr fällt das Minus mit 607 Euro allerdings deutlich geringer aus als im Vorjahr (1.341 Euro). Die Ebit-Marge pro Fahrzeug liegt bei minus 4,2 Prozent.

A customer walks past a Peugeot car at a dealership in Marseille
3 von 17

Peugeot-Citroën (PSA) – minus 370 Euro

Erstmals in 118 Jahren Unternehmensgeschichte hat die Familie Peugeot ihre Macht abgegeben. Neuer Partner der Franzosen: der chinesische Autoriese Dongfeng. Eindämmen konnte auch Peugeot-Citroën seinen Verlust pro verkauftem Fahrzeug. Nach 510 Euro im vergangenen Jahr beträgt das Minus nun 370 Euro. Die Ebit-Marge liegt bei minus 2,9 Prozent.

82nd Geneva International Motor Show
4 von 17

Seat – minus 331 Euro

Die VW-Tochter dämmt ihren Verlust pro verkauftem Auto ebenfalls ein. Im Jahr 2013 beträgt das Minus bei Seat (im Bild der Ibiza SC) noch 331 Euro – nach durchschnittlich 364 Euro in 2012. Die Ebit-Marge liegt bei minus 2,4 Prozent.

An employee inspects a Renault Clio 3 at the Renault automobile factory in Flins
5 von 17

Renault – minus 283 Euro

Die Franzosen machen mit jedem verkauftem Auto durchschnittlich 283 Euro Verlust. Doch runderneuerte Massenmodelle wie der Clio (im Bild) oder der Twingo sollen auch die Franzosen wieder in die schwarzen Zahlen bringen. Im Jahr 2012 lag die Ebit-Marge noch bei minus 1,9 Prozent.

A model poses beside a Fiat 500 GQ displayed on the company's booth during the first media day of the Geneva Auto Show at the Palexpo in Geneva
6 von 17

Fiat – minus 224 Euro

Die Italiener leiden besonders unter der schwachen Nachfrage in Europa, die durchschnittlichen Verluste pro Fahrzeug legen weiter zu auf 224 Euro (2012: 77 Euro). Die Ebit-Marge liegt bei minus 1,5 Prozent. Rechnet man die Zuliefersparte und Ferrari-Maserati mit ein, kann Fiat (im Bild der Fiat 500 GQ) im Gesamtjahr aber ein positives Ergebnis erzielen.

huGO-BildID: 30117647 Hostesses pose with the new Skoda Octavia displayed in World premiere at the Geneva International Motor Show on March 5, 2013 w
7 von 17

Skoda – plus 567 Euro

Kein Autohersteller hat in absoluten Zahlen so viel Profit pro Auto eingebüßt wie die osteuropäische VW-Tochter. Mit einem Gewinn von durchschnittlich 567 Euro pro verkauftem Wagen landen Skoda aber immer noch locker in den schwarzen Zahlen. Die Ebit-Marge von Skoda (im Bild der Skoda Octavia) ist mit 5,1 Prozent sehr ordentlich.

  • bay
Startseite

Mehr zu: Branchenstudie - Zulieferer sind so rentabel wie noch nie

1 Kommentar zu "Branchenstudie: Zulieferer sind so rentabel wie noch nie"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zulieferer rentabek? Ja, weil die Mitarbeiter dort nur noch Sklavenlöhne erhalten bzw. nur noch Zeitarbeiter für 1 Euro je Stunde arbeiten!!! Dies auf Befehl unserer Politiker!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%