Branchentreffen
Telekom-Rivalen sehen Datengipfel skeptisch

Wettbewerber der Deutschen Telekom reagieren skeptisch auf die Ankündigung der Bonner, ein Branchentreffen zum Provisionsbetrug zu organisieren. "Wir sehen keinen Anlass für einen solchen Gipfel", heißt es beim größten Konkurrenten Vodafone. Datendiebstahl und Provisionsbetrug sei kein Branchenproblem, sondern eines der Telekom.

DÜSSELDORF. Der Telekom-Datenschutzvorstand Manfred Balz hatte dem Magazin "Spiegel" gesagt, dass sich im harten Kampf um Kunden ein "System mit kriminogenen Strukturen" entwickelt habe, dass die Telekom allein nicht zerschlagen könne.

Der Marktführer hatte vor zwei Wochen erklärt, vier Vertriebspartner hätten Subunternehmen engagiert, die unerlaubt über Callcenter Kunden geworben und dafür überhöhte Provisionen kassiert haben. Darüber hinaus berichteten mehrere Medien, der Telekom seien dabei auch Hunderttausende von Kundendaten geklaut worden. Der Konzern hat das bislang nicht bestätigt.

Kritiker argwöhnen, die Telekom wolle mit einem branchenweiten Gipfel von ihren eigenen Problemen ablenken. Bei O2 heißt es, man habe derzeit keine Hinweise dafür, dass ähnliche Probleme im eigenen Haus existierten. E-Plus wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Die Telekom erklärt, dass die in der Branche üblichen hohen Provisionen für neue Kunden und für Vertragsverlängerungen Betrüger anziehen. In der Branche heißt es, die Firmen zahlten ihren Vertriebspartnern 300 bis 600 Euro pro Kunde. Die Verträge laufen meist nur zwei Jahre und müssen dann verlängert werden. "Wir müssen den Provisionswettlauf überprüfen, um das Übel bei der Wurzel zu packen", sagte ein Telekom-Sprecher. Genaue Pläne dazu gebe es noch nicht. Bislang hat die Telekom ihre Wettbewerber auch noch nicht eingeladen. Die ärgern sich darüber, dass der Konzern einen Gipfel über die Medien ankündigt.

Ein neues Branchentreffen wäre bereits das zweite als Folge der Datenskandale bei der Telekom. Im vergangenen Jahr hat sie bereits zu einem Datenschutzgipfel nach Berlin geladen. "Grundsätzlich schließen wir nicht aus, dass es durch kriminelle Energie Einzelner zu Missbrauch kommen kann", heißt es bei Vodafone. Ein Gipfel müsse aber branchenübergreifend organisiert sein. Zudem müsse die Telekom offen sagen, von welchen Partnern sie betrogen worden sei.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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