Branchenüberblick
Wo sich die Lobbyisten schwertun

Von den Energielobbyisten lernen heißt siegen lernen. Davon allerdings kann bei anderen wichtigen Branchen wie Luftfahrt, Pharma oder auch bei den Privatbanken keine Rede sein. Nur eine Branche kann mit den Energiekonzernen in Berlin mithalten.
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Fluggesellschaften: Sonderinteressen spalten die Branche

FRANKFURT. Die Strippenzieher der deutschen Airlines haben bei Verkehrsminister Peter Ramsauer spätestens seit der "Aschewolke" im Frühjahr dieses Jahres schlechte Karten. Der Minister war nur noch genervt von den Vorwürfen der Manager, die Flugverbote verhagelten ihnen das Geschäft.

Jetzt klagt ein hochrangiger Lufthansa-Manager: "Wir sind stinksauer und enttäuscht. Während die Atomkonzerne ihre Laufzeitverlängerung bekommen haben, müssen wir die Luftverkehrsabgabe berappen." Und, fügt er hinzu: "Unsere Lobbyarbeit hat versagt."

Tatsächlich sind die Vertreter des deutschen Luftverkehrs mit ihren Wünschen bei der Politik kläglich gescheitert. Statt die spontan zur Haushaltssanierung erfundene Luftverkehrsabgabe zu verhindern, hat sie die Koalition am vergangenen Donnerstag einfach auf den Weg gebracht. Um acht bis 45 Euro werden sich Tickets verteuern - das ist die Rechnung, die die Politik den lange Zeit äußerst selbstbewusst ihre Partikularinteressen vertretenden Luftfahrt-Lobbyisten präsentiert.

Während die Airline-Spitzen im Juni beim Branchentreffen ILA in Berlin und der parallel stattfindenden Jahrestagung des Weltluftfahrtverbandes Iata gut gelaunt sich selbst feierten, verkündete Bundeskanzlerin Merkel nur wenige Kilometer entfernt die Luftverkehrsabgabe - ohne dass die versammelte Managerschar auch nur im Ansatz vorgewarnt gewesen wäre.

Die Schockwellen waren gewaltig - dennoch zogen die Spitzenmanager nicht an einem Strang. Sie laufen den Politikern in den folgenden Wochen zwar die Türen ein, aber jeder mit eigenen Wünschen und eigenen Interessen. Joachim Hunold etwa von Air Berlin ist bei der Luftverkehrsabgabe gegen Ausnahmen für Fracht und Umsteige-Passagiere, weil davon nach seiner Einschätzung vor allem die Lufthansa profitiert. Die Lufthansa wiederum verlangt ebenjene Ausnahmen, weil man sonst endgültig die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren drohe.

Auch bei der Frage, ob Premiumkunden denn mehr bezahlen müssten oder nicht, streiten die beiden Airlines. Und zu allem Überfluss meldet sich dann auch noch Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport, zu Wort. Er erklärt die ganze Aufregung für mehr oder weniger überflüssig.

"Völlig vermurkst", lautet denn auch in den Chefetagen der Airlines das Resümee der eigenen Lobbyarbeit. Doch jetzt steht nicht nur die Abgabe. Auch die Distanz der Politik bleibt. So stieg Kanzlerin Angela Merkel bei der ILA werbeträchtig in den Airbus 380 von Emirates ein - und gönnte Lufthansa nur eine Stippvisite.

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  • Diese Abgabe trifft vor allem die deutschen Flughäfen die im Grenzgebiet liegen. Die um Deutschland herumliegenden Flughäfen werden den Nutzen haben. So sieht gute Standortpolitik aus!

  • Guter Artikel. Jetzt rächt sich, daß beispielsweise Jürgen Weber, AR-Vorsitzender der Lufthansa, im Ausland über Peter Ramsauer hergefallen ist. Arroganz wird hier eben bestraft. Was sollen die Lobbyisten noch ausrichten, wenn man solche Aufsichtsräte hat.

  • ", müssen wir die Luftverkehrsabgabe berappen." Zur info: gestern war hier zu lesen, daß ALLE Luftfahrunternehmen die Kosten auf die Passagiere umlegen. Also die Konzerne zahlen wie immer: NiCHTS!!!
    ur der bürger trägt die Verluste der Krise. Die gewinne fließen wieder in die Taschen der reichen und Mächtigen.

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