Branchenverband VCI
Chemieindustrie erwartet zaghaften Aufwind

Zuletzt machten Chemiekonzerne wie BASF, Evonik oder Lanxess mit Stellenabbau auf sich aufmerksam. In das kommende Jahr blickt die Branche mit vorsichtiger Zuversicht. Der Umsatz soll sich den 200 Milliarden Euro nähern.
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FrankfurtDie Chemiekonjunktur gewinnt nur allmählich an Fahrt. Nach mageren Zuwächsen bei Umsatz und Produktion 2013 blickt die Chemiebranche mit vorsichtigem Optimismus auf das nächste Jahr. Mit großen Sprüngen rechnet Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach Autoindustrie und Maschinenbau aber nicht. „Im kommenden Jahr wird es für die deutsche Chemie aufwärts gehen, aber nur langsam“, sagte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Karl-Ludwig Kley, am Donnerstag in Frankfurt. Dabei setzen die mehr als 1600 Chemieunternehmen unter anderem auf eine zunehmende Nachfrage im Inland und auf ein sich aufhellendes Europageschäft. „Die Mehrheit der Unternehmen rechnet in den kommenden Monaten mit einer Belebung des Chemiegeschäftes“, sagte Kley.

Der Industriezweig mit Größen wie BASF, Bayer, Merck und Evonik erwartet für 2014 einen Anstieg der Chemieproduktion von zwei Prozent. Ihren Umsatz werde die Chemiebranche voraussichtlich um 1,5 Prozent auf 191 Milliarden Euro erhöhen. Verbandspräsident Kley, der Chef des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck, geht davon aus, dass die Unternehmen im Schnitt ihre Chemikalienpreise um 0,5 Prozent senken.

„Die Weltwirtschaft hat nach meinem Ermessen die Talsohle durchschritten“, sagte Kley. Er rechne neben einem anziehenden Inlandsgeschäft damit, dass der Export eine Stütze der Branche bleibt. „An unseren Exportüberschüssen wird sich wohl so schnell nichts ändern. Und das ist eine gute Nachricht.“ In den Schuldenländern Europas würden die Reformen greifen. Aus den USA kämen Impulse durch einen Investitionsboom, der durch das günstige Schiefergas getrieben sei. In Asien und Südamerika sei das Wachstum aber etwas geringer als in den vergangenen Jahren.

Die Nachrichten aus den Unternehmen waren zuletzt eher gedämpft. So stemmt sich der Chemiekonzern Lanxess mit dem Abbau von weltweit 1000 Stellen gegen fallende Preise und die Autokrise in vielen Ländern Europas. Auch der Essener Evonik-Konzern und die Bayer-Kunststoffsparte MaterialScience legten neue Sparprogramme auf. Der Chemie-Branchenprimus BASF hatte zudem vor anhaltenden Belastungen durch einen starken Euro gewarnt.

Im ablaufenden Jahr legte die weltweite Nachfrage nach Chemieprodukten nur leicht zu. „2013 war kein einfaches Jahr für die deutsche Chemie“, sagte Kley. Die Chemieproduktion erhöhte sich nach ersten Schätzungen lediglich um 1,5 Prozent, der Branchenumsatz legte sogar nur um 0,5 Prozent auf 187,7 Milliarden Euro zu. „Die Preise gaben nach“, sagte Kley. Sie sanken um ein Prozent. Chemiefirmen mussten wegen des scharfen Wettbewerbs gesunkene Rohstoffpreise an ihre Kunden weiterreichen. Rohbenzin, der wichtigste Rohstoff für die Branche, war um rund zehn Prozent billiger als im Jahr davor.

Das Auslandsgeschäft stagnierte. „Die Schwellenländer insgesamt waren leider keine so starke Stütze der Weltkonjunktur wie wir gehofft hatten“, sagte Kley. Dennoch blieben die Anlagen der Unternehmen 2013 im Schnitt zu 84 Prozent ausgelastet. Das sei ein ordentlicher Wert, sagte der VCI-Chef. Auch die Beschäftigung in der Branche wuchs. Die Unternehmen bauten die Zahl ihrer Mitarbeiter um 0,5 Prozent auf 436.500 aus. Ihre Investitionen stockten die Firmen nach zwei Jahren wieder auf. Insgesamt investierte die Branche 6,4 Milliarden Euro - zwei Prozent mehr als 2012.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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