Branchenvertreter fordern bessere Wachstumsbedingungen und höhere Investitionen in die Grundlagenforschung
Deutsche Pharmabranche fällt zurück

Die deutsche Pharmaindustrie sieht sich weiter in der Defensive. Angesichts der globalen Fusionstendenzen und weiterer Belastungen durch die Gesundheitsreformen warnten führende Vertreter der Branche auf der jüngsten Pharmatagung des Handelsblattes fast einhellig vor einer weiteren Erosion und rückläufigen Investitionen.

BERLIN. Gleichwohl halten sie die Idee, etwa nach französischem Vorbild aus den verbliebenen deutschen Pharmafirmen einen „nationalen Champion“ zu formen, für ebenso abwegig wie aussichtslos. Maßnahmen zugunsten des Pharmastandortes Deutschland müssen aus Sicht der Unternehmen vielmehr an der Basisforschung und den Rahmenbedingungen des Gesundheitsmarkts ansetzen. „Die Entwicklung in den USA zeigt, dass sich durch gezielte Förderung auf die industrielle Entwicklung Einfluss nehmen lässt“, sagte Günter Stock, Forschungs-Vorstand der Schering AG. Wolfgang Plischke, Pharmachef der Bayer AG, fordert dringend Reformen, die dem Gesundheitsmarkt wieder stärkeres Wachstum ermöglichen und damit auch die finanzielle Basis der hiesigen Arzneimittelhersteller stärken.

Manager der Branche räumen dabei durchaus strategische Fehlentscheidungen in den achtziger und neunziger Jahren ein. Vielfach wurden zum Beispiel die Aktivitäten zu spät auf den boomenden US-Markt ausgerichtet. Darüber hinaus gilt die schwache Entwicklung am Heimatmarkt als politisch verursachtes Handicap, das maßgeblich zu niedrigen Wachstumsraten, Renditen und Börsenbewertungen beiträgt. Dabei drohen aus Sicht der Branche mit den geplanten Höchsterstattungsgrenzen (Festbeträge) für viele patentgeschützte Präparate weitere Belastungen. „Wenn über staatliche Eingriffe und Reglementierungen die Preise zwangsweise gesenkt werden, stehen für forschungsintensive Firmen weniger Mittel zur Verfügung“, warnt Nikolaus Schweickart, Chef der Altana AG.

Aufgrund ihrer sehr niedrigen Börsenbewertung haben deutsche Pharmafirmen heute kaum noch eine Chance, an der Konsolidierung aktiv mitzuwirken. Mit Boehringer Mannheim, Knoll und Hoechst sind in den vergangenen zehn Jahren drei namhafte deutsche Pharmafirmen in ausländischen Besitz geraten. Und eine Übernahme des Pharmakonzerns Aventis, in dem Hoechst vor vier Jahren aufgegangen ist, durch die französische Sanofi-Synthélabo SA oder die Schweizer Novartis AG könnte aus Sicht von Pharmamanagern zu einem weiteren Bedeutungsverlust beitragen.

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