Brasilianische CSN bringt Tata Steel in Bedrängnis
Übernahmekampf um Corus beginnt

Der brasilianische Stahlkonzern Cia. Siderurgica Nacional (CSN) bemüht sich zum dritten Mal um eine Fusion mit dem britisch-niederländischen Konkurrenten Corus. Eine Barofferte von acht Mrd. Dollar haben die Brasilianer für den Londoner Konzern vorgelegt – und damit mehr als der indische Konkurrent Tata Steel. Ein Bieterkampf steht bevor.

LONDON / SÃO PAULO. Nachdem Corus im Jahr 2003 ein Angebot für CSN im Wert von 3,5 Mrd. Dollar zurückgezogen hat und Fusionsgespräche im Mai gescheitert sind, treten nun die Brasilianer als Bieter auf. Sie haben am Freitag eine Barofferte im Wert von rund acht Mrd. Dollar für den Londoner Konzern vorgelegt. Damit übertrumpfen sie das Angebot, das die Corus-Führung im Oktober mit der indischen Tata Steel aushandelte.

Analysten bewerten die CSN-Offerte als Auftakt eines Bieterkampfes. Sie liegt mit 475 Pence je Aktie um 20 Pence über dem von Tata gebotenen Preis, doch rund fünf Pence davon würden bereits von der vereinbarten Vertragsstrafe aufgezehrt, die fällig wird, wenn die Corus-Führung noch umschwenkt. An der Londoner Börse stieg die Corus-Aktie am Freitag auf 495,5 Pence, was die Erwartungen der Börsianer eines höheren Angebots unterstreicht. Corus-Großaktionär Standard Life hatte sich bereits im Oktober unzufrieden über den Preis geäußert. „Es ist keine Überraschung, dass ein weiterer Bieter aufgetaucht ist“, kommentierte der Versicherer nun das Geschehen. Die Aktionäre sollten am 4. Dezember auf einer Hauptversammlung über das Tata-Angebot abstimmen.

CSN-Chef und -Hauptaktionär Benjamin Steinbruch hat am Freitag Corus-Chairman Jim Leng seinen Vorschlag vorgestellt. Er hält seine Offerte nicht nur finanziell für überlegen. Anders als Tata könne CSN aus der konzerneigenen Mine Casa de Pedra auch die europäischen Werke von Corus komplett mit Eisenerz versorgen. Damit würde diese Kombination eine der Hauptkriterien von Corus für die Partnersuche besser erfüllen. Genauso wie Tata könne CSN zudem preisgünstigen Rohstahl zur Weiterverarbeitung in den Corus-Werken liefern. Die Kombination beider Unternehmen würde ebenso wie die mit Tata Steel den fünftgrößten Stahlhersteller der Welt mit einer Jahresproduktion von rund 24 Mill. Tonnen schaffen.

CSN will den Kauf zum kleineren Teil aus Barreserven und zum größeren Teil mit einem Kredit finanzieren, der von einem Bankenkonsortium um Barclays, Goldman Sachs und BNP Paribas zusammengestellt wird. In Brasilien wurde das Übernahmegebot skeptisch aufgenommen: An der Börse in São Paulo verlor die CSN-Aktie fast fünf Prozent. Analysten warnen vor einer zu hohen Verschuldung des zweitgrößten brasilianischen Stahlkonzerns.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s kündigte an, die Bonitätseinstufung von CSN zu überprüfen. Der Konzern will Teile seiner Erzmine Casa da Pedra an die Börse bringen, um Kapital für Übernahmen zu bekommen. Während Steinbruch den Wert der Mine mit acht Mrd. Dollar angibt, beziffern ihn Analysten eher auf ein bis drei Mrd. Dollar.

CSN wirbt bereits in den USA um die Übernahme des Stahlkonzerns Wheeling-Pittsburgh. Mit wenig Glück: In der vergangenen Woche sprach sich der Board des US-Konzerns gegen CSN aus. Analysten befürchten nun, dass sich Steinbruch verzettelt.

Corus bestätigte in einer ersten Reaktion lediglich das neue Angebot. Der Konzern wird im Sinne seiner Aktionäre versuchen, einen möglichst hohen Preis herauszuholen. Sprecher der indischen Tata-Group gaben am Wochenende nicht zu erkennen, ob das Unternehmen bereit ist, sein Angebot nachzubessern. Analysten sagten, ein Preis unter 500 Pence je Aktie werde voraussichtlich nicht reichen.

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