Brauereien: Scottish & Newcastle zu Verhandlungen bereit

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Scottish & Newcastle zu Verhandlungen bereit

In den Bieterkampf um den britischen Brauereikonzern Scottish & Newcastle (S&N) ist nach drei Monaten wieder Bewegung gekommen. Die Briten lehnten das verbesserte Angebot von Carlsberg und Heineken zwar ab, gleichzeitig signalisierten sie aber Verhandlungsbereitschaft ab einer Offerte von 800 Pence pro Aktie.

STOCKHOLM. Erstmals nachdem der dänische Brauereiriese Carlsberg und sein niederländischer Konkurrent Heineken den Scottish & Newcastle-Aktionären im Oktober ein gemeinsames Übernahmeangebot vorgelegt hatten, blocken die Briten nicht mehr kategorisch ab. Zwar wies Großbritanniens größter Bierbrauer das gestern von dem dänisch-holländischen Bieterkonsortium nachgebesserte dritte Angebot von 780 Pence (10,34 Euro) je S&N-Aktie erneut ab. Doch gleichzeitig teilte S&N mit, dass man ab einer Offerte von 800 Pence je Aktie zu Verhandlungen mit den beiden Bietern bereit sei.

Damit ist erstmals seit drei Monaten Bewegung in den Bieterkampf gekommen. Carlsberg und Heineken hatten sich bereits zweimal zuvor eine Abfuhr eingehandelt: Zuerst boten sie 720 Pence je S&N-Aktie, später erhöhten sie ihre gemeinsame Offerte auf 750 Pence und bewerteten damit den britischen Brauer auf umgerechnet rund 9,7 Mrd. Euro. Die neueste Offerte ist knapp 10,2 Mrd. Euro wert.

S&N bezeichnete den jüngsten Vorstoß weiterhin als „nicht konkurrenzfähig“. Man würde Verhandlungen mit dem Bieterkonsortium erst ab einem Gebot von „über 800 Pence“ erwägen, hieß es bei S&N, zu deren bekanntesten Biermarken Kronenbourg und Fosters zählen. Die S&N-Aktie zog nach dem nachgebesserten Angebot leicht an. Heineken und Carlsberg verloren dagegen in Amsterdam und Kopenhagen. Analysten bewerteten bereits das abgelehnte Angebot als „zu teuer“ für die beiden Brauereien. „Es wird schwer für das Konsortium werden, die Offerte weiter zu erhöhen, ohne dass Werte zerstört werden“, sagte am Donnerstag Cazenove-Analyst Matthew Webb.

Carlsberg-Chef Jørgen Buhl Rasmussen forderte gestern erneut die S&N-Aktionäre auf, Druck auf das Management auszuüben, damit regelrechte Verhandlungen eingeleitet werden können. Anderenfalls drohte der Carlsberg-Boss mit einem Rückzug des Konsortiums. Carlsberg und Heineken hatten sich im Oktober vergangenen Jahres zusammengetan und wollen bei einer erfolgreichen S&N-Übernahme den britischen Konzern unter sich aufteilen.

Der dänische Bier-Konzern und S&N sind mit dem Gemeinschaftsunternehmen Baltic Beverages Holding (BBH) in Russland, dem Baltikum, der Ukraine und Kasachstan sehr erfolgreich. Den S&N-Anteil von BBH will Carlsberg nach einer Aufteilung des britischen Konkurrenten komplett übernehmen, während sich Heineken die S&N-Töchter in Großbritannien und dem restlichen Europa einverleiben möchte. Alle großen Brauerei-Konzerne versuchen derzeit, über Fusionen und Übernahmen ihre Kosten zu drücken.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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