Braukonzern Inbev formiert Deutschland-Geschäft
Brasilianisches Bier soll deutschen Durst stillen

Inbev, der größte Braukonzern der Welt, will seine brasilianische Biermarke „Brahma“ künftig auch in Deutschland anbieten. Dies kündigte Alain Beyens, seit kurzem Deutschland-Chef des belgisch-brasilianischen Biermultis vor Journalisten in Hamburg an.

ire HAMBURG. Beyens zielt mit der Markteinführung vor allem auf junge, markenbewusste Konsumenten, die den Gerstensaft bisher noch verschmähen. Einen genauen Starttermin des Projektes nannte der 44jährige nicht.

„Brasilien liegt im Trend“, begründete Beyens die Einführung eines der umsatzstärksten lateinamerikanischen Biere auf dem hart umkämpften deutschen Biermarkt, der dazu schon lange unter Überkapazitäten leidet. Geschmacklich ist „Brahma“ noch milder als die erfolgreiche Inbev-Innovation „Beck’s Gold“ angesiedelt. Für eingefleischte Pils-Trinker, die den herben Geschmack des Bieres lieben, war dies kein Grund, die Marke zu wechseln. Jedoch fand „Beck’s Gold“ so großen Anklang beispielsweise unter jungen Frauen, dass ein Großteil der deutschen Brauereien – von Bitburger bis Krombacher – das Konzept des trendigen Bieres in der Weißglasflasche kopierten.

Die margenträchtige Markendehnung – im vergangenen Jahr allein verantwortlich für das Absatzplus der Marke „Beck’s“ von mehr als elf Prozent in Deutschland – zeige, so Beyens, dass die angesprochenen Konsumenten nicht nur am Geschmack, sondern auch am Image eines Getränks interessiert seien. Und in die Imagebildung von „Brahma“ will der Weltmarktführer unter den Brauereien einiges investieren. Genaue Zahlen nannte Beyens jedoch nicht.

„Ein mutiges Unterfangen“, bewertet Branchenexperte Reiner Mihr die neuen Pläne von Inbev. Brasilien sei nicht gerade für seine Bierkultur bekannt, sagt der Chefredakteur der Fachzeitschrift „Lebensmittel Praxis“. Jedoch zeige beispielsweise der große Erfolg der Caipirinha-Getränke in Deutschland, dass gerade bei jungen, trendbewussten Leuten südamerikanisches Flair mit Samba- und Salsa-Klängen außerordentlich gut ankomme.

In der deutschen Gastronomie hingegen testet Inbev derzeit das Konzept „Belgian Beer-Café“ mit einem Angebot aus dem belgischen Starkbier „Leffe Brune“, dem mit Koriander gewürztem Weißbier „Hoegarden“ sowie „Belle-Vue Kriek“, einem Kirschbier.

Die belgischen Bierspezialitäten gehören allerdings nicht zum deutschen Standardportfolio des im flämischen Leuven ansässigen Braukonzerns. In Deutschland haben die Belgier sich innerhalb von nur fünf Jahren mit Beck’s, Diebels, Franziskaner, Gilde und Hasseröder für viel Geld ein flächendeckendes Markensortiment zusammengekauft. Mit einem Marktanteil von zehn Prozent liegt die neu formierte Inbev Germany hinter der Oetker-Gruppe auf Rang zwei im deutschen Biermarkt.

Deutschland-Chef Beyens kündigte an, das Markengeschäft in Deutschland voranzutreiben. Dabei wolle Inbev sich erst einmal auf das vorhandene Markenportfolio konzentrieren. Weitere Kaufgelegenheiten seien zur Zeit nicht in Sicht.

Der Braukonzern Inbev ist im vergangenen Jahr durch den Zusammenschluss der belgischen Interbrew und der brasilianischen Ambev entstanden. Damit überholte der neue Konzern den bis dahin weltweit führenden US-Brauer Anheuser-Busch. Mit einem Ausstoß von jährlich 205 Mill. Hektolitern kontrolliert Inbev dreizehn Prozent des Weltbiermarktes. Von den weltweit rund 77 000 Mitarbeitern sind etwa 4 100 in Deutschland beschäftigt. Neben „Beck’s“ und „Brahma“ ist „Stella Artois“ die dritte globale Flaggschiff-Marke.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%