Braukonzern
SAB Miller entdeckt die Schwellenländer

SAB Miller glänzt mit kontinuierlichem Wachstum. Durch den Kauf der südamerikanischen Bavaria im verganenen Jahr stieg das britisch-südafrikanische Unternehmen zum drittgrößten Braukonzern der Welt auf.

KAPSTADT. Im Brausektor gibt es noch immer Unternehmen, die Jahr für Jahr solide Zahlen präsentieren. Zu ihnen gehört der britisch-südafrikanische Bierriese SAB Miller, der im Juli vergangenen Jahres durch den Kauf der südamerikanischen Bavaria zum drittgrößten Braukonzern der Welt aufstieg. Am Donnerstag meldete der vor sieben Jahren von Johannesburg nach London umgezogene Konzern für das Geschäftsjahr bis März einen Anstieg des Umsatzes von fast 20 Prozent auf 15,3 Mrd. Dollar (11,9 Mrd. Euro). Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Sonderposten kletterte um 18 Prozent auf 2,62 Mrd. Dollar. Gleichzeitig stieg der Reingewinn um 22 Prozent auf 1,5 Mrd. Dollar. Die Dividende pro Aktie erhöht sich um 16 Prozent auf 44 US-Cents.

Dass der Konzern abermals die Erwartungen des Marktes leicht übertraf, führte SAB Miller-Chairman Meyer Kahn gestern auf das gute Abschneiden fast aller Absatzmärkte zurück. Besonders positiv entwickelte sich das Wachstum in Osteuropa sowie im südafrikanischen Heimatmarkt, wo immer mehr Verbraucher zu den neu eingeführten Premiummarken wie Miller Genuine Draft und Pilsner Urquell greifen. Die Tatsache, dass sich das Geschäft in Lateinamerika fast verfünffacht hat, führt SAB Miller darauf zurück, dass erstmals Teilresultate der im Juli 2005 erworbenen kolumbianischen Bavaria-Brauerei in das Ergebnis einflossen. Bavaria liegt in Lateinamerika an zweiter Stelle und dominiert neben seinem kolumbianischen Heimatmarkt auch in Peru, Ecuador und Panama. SAB Miller war mit der Übernahme der Bavaria an seinem nordamerikanischen Erzrivalen Anheuser Busch vorbeigezogen. Marktführer am Biermarkt ist jedoch noch immer Inbev, der nun zwei Jahre alte Zusammenschluss der belgischen Interbrew und der brasilianischen Ambev.

Einen vergleichsweise bescheidenen Zuwachs meldete der nordamerikanische Brauer Miller, den die South African Breweries (SAB) vor vier Jahren für 5,6 Mrd. Dollar erworben hatte. Trotz des anhaltenden Preiskrieges mit dem US-Platzhirsch Anheuser Busch ist Miller im zurückliegenden Geschäftsjahr um sieben Prozent gewachsen. Damit hat das in Milwaukee ansässige Unternehmen nach Ansicht von Meyer Kahn die erste Phase der angestrebten Kehrtwende erfolgreich geschafft. Seit dem Austausch des US-Managements durch ein südafrikanisches hat sich die Lage bei Miller kontinuierlich verbessert. Zuvor war Millers Marktanteil in den USA auf 18 Prozent gesunken. Anheuser Busch ist dort mit rund 50 Prozent klarer Marktführer.

Der in den vergangenen 12 Monaten stark gestiegene Aktienkurs von SAB Miller gilt als Indiz dafür, dass die breite Aufstellung des Konzerns in den Schwellenmärkten auf die Zustimmung der Anleger trifft. Der Brauriese vom Kap hat sich mittlerweile auf die wachstumsstarken Emerging Markets konzentriert. Zu den Standbeinen zählt hier neben Südafrika und Osteuropa neuerdings auch Lateinamerika. Daneben hat das Unternehmen zuletzt in Indien und Vietnam aber auch in China verstärkt zugekauft und produziert jährlich 176 Mill. Hektoliter Hellbier.

Beobachter schätzen, dass allein Chinas Biermarkt jedes Jahr zwischen sechs und acht Prozent wachsen dürfte. Allerdings ist der dortige Markt wegen eines Preiskrieges zwischen seinen inzwischen mehr als 400 Brauereien im Land zurzeit wenig attraktiv. In Lateinamerika dürfte der Bierverbrauch laut SAB Miller in den nächsten fünf Jahren um durchschnittlich vier Prozent wachsen – und damit doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt. In beiden Regionen liegt der Pro-Kopf-Verbrauch beträchtlich unter dem Niveau in Europa und den USA, was das große Potenzial verdeutlicht. Aber auch in Osteuropa zieht der Bierkonsum deutlich an. Russland dürfte die Deutschen im Biertrinken bald überrunden und schon in vier Jahren hinter China und den USA beim Bierkonsum an dritter Stelle rangieren.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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